Lukas Brings

 

Das Pleiten-, Pech- und Pannenjahr

Bevor ich zu meiner eigentlichen Story komme, muss ich ein wenig ausschweifen, nämlich in meine Angelsaison 2017.
In keinem anderen Jahr hatte ich so viel Zeit zum Angeln wie 2017. Das letzte Jahr meines Studiums ließ viel Freiraum und meine Partnerin ließ mich auch oft los ziehen oder ging sogar mit. 2017 schenkte mir die Zeit für 35 Ansitze am Wasser. Da ich auch frisches Mitglied eines neuen Vereins war, konnte ich meinen enormen Tatendrang in die Tat umsetzen und das an Gewässern mit richtig viel Potential!
Leider herrscht an diesen Gewässern wirklich enormer Angeldruck und meine Erwartungen wurden nicht erreicht. Nach einem erfolgreichen Frühjahr mit 5 Fischen jenseits der 30 Pfund, fing ich fast nichts mehr. Im Ganzen komme ich auf keine 15 Fische in diesem Jahr. Meinen Ruf unter den Kumpels hatte ich dann natürlich auch weg und sogar meine Freundin wusste besser, wie ich doch noch an den ein oder anderen Fisch kam, als ich.
Fassen wir zusammen: 2017 mochte mich nicht und ich mochte es nicht.

Jetzt sitze ich Ende Januar 2018 mit meinem Laptop auf der Couch und möchte euch von meinem ersten Ansitz 2018 berichten, der wie die Überschrift vermuten lässt, gar nicht so schlecht lief. Aber fangen wir von vorne an.


Gute Vorsätze und Vorbereitung

Rückblickend auf meine zurückliegende Saison fiel mir auf, dass ich hauptsächlich einzelne sehr spontane und nicht vorbereitete Nächte machte.
Ich fokussierte mich ausschließlich darauf, wie ich „instant“ an meinen stark befischten Gewässern punkten könnte. Verschiedenste Montagen und Köder wurden erfolglos wieder eingekurbelt.
Ich fasste den Entschluss im neuen Jahr meine Zeit am Wasser effektiver zu verbringen und auch wenn an den meisten meiner Gewässer ein Vorfütterverbot gilt, wollte ich meine Ansitze einfach besser planen.


Ans Eingemachte!

Gemeinsam mit meinem Freund Connor plante ich die erste Nacht des Jahres. Hierauf freute ich mich sehr, da ich mit Connor schon lange nicht mehr gefischt hatte. Wir entschieden uns für einen kleineren Fluss, der auch im Winter nicht in den einstelligen Temperaturbereich fällt. Dieser Fluss ist ein beliebtes Wintergewässer und auch zur kalten Jahreszeit geht man hier selten als Schneider nach Hause. Perfekt also für einen Motivationsschub für die neue Saison.
Connor und ich entschieden uns für eine Stelle an einer längeren Geraden. Hier zieht sich ein Krautgürtel monoton über 150m am Ufer entlang. Wir fütterten achte Tage die gesamte gerade mit ordentlich viel Mais. Etliche Mitesser und ein guter Karpfenbestand lassen hier solch großzügige Futteraktionen auch im Winter zu.
Ich fütterte die ersten Tage und Connor übernahm die Arbeit, während ich mit den Jungs vom Team auf der Messe Hannover schuftete.
Zwei Tage vor dem Ansitz fütterte ich noch je 2 Kilo Pellets dazu, um mir gegebenenfalls einen der großen Welse an die Stelle zu ziehen.

Jetzt wird´s hektisch!

Es war Dienstagnachmittag, als ich am Fluss ankomme. Es bleibt mir nicht viel Zeit alles aufzubauen bevor es dunkel wird. Also füttere ich schnell gute 2 Kilo Mais und ein weiteres Kilo Pellets an der Angelstelle und mache die Ruten fertig. Schnell landen zwei Montagen mit Mais und Pellet an der Krautkante.
Ich lege die Ruten auf die Bissanzeiger und beginne den Trolley zu entladen.
In diesem Moment bekam ich Besuch von meinem Vereinskollegen Heiko. Wir kommen ins Gespräch und ich bekomme die einzelnen Piepser meiner Falcons kaum mit. Unterbewusst gehe ich wohl vom ständigen Brassen- und Döbelgezupfe aus. Als Heiko mich auf meine Rute aufmerksam macht, winke ich zunächst ab und verweise auf die Brassenplage. In diesem Moment und keine fünf Minuten nach dem Ablegen läuft die Rute ab und selbige fliegt aus dem Rutenhalter und bleibt lediglich am Bissanzeiger hängen. Mit einem circa drei Meter weiten Hechtsprung ohne Rücksicht auf Verluste, gelingt es mir die Rute und den daran hängenden Fisch zu retten. Zumindest in meiner Erinnerung hat sich das genau so abgespielt. Das andere Ende der Leine kämpft wacker und ich brauche gute zehn Minuten, um ihn über den Kescherrand zu führen. In seinen Maschen zeigt sich ein guter Spiegler. Ich feiere mit Heiko diesen Erfolg. Wir machen die Kamera fertig und bereiten Matte und Waage vor. Die Wage zeigt 11,5 Kilo und nach drei schönen Bildern, darf dieser propere Kämpfer zurück ins Wasser.

                                                                                                                                                                                        Mein erster Karpfen 2018!

 

Meine Montage folgt hinterher und ich widme mich weiter dem Aufbau.
Eine viertel Stunde später tuten die Falcons erneut und nach kurzem Drill landet ein kleiner Schuppmann im Kescher. Als Connor kommt, staunt er nicht schlecht, als ich ihm vom prompten Doppelfangerfolg erzähle. Wir knipsen den zweiten Karpfen schnell und bauen alles weiter auf. Unsere Stimmung ist hocheuphorisch und wir sind uns sicher, dass nach dem Trubel des Aufbaus die Bissanzeiger wieder losheulen werden. Bis Mitternacht passiert jedoch rein gar nichts. Erst um zwei Uhr früh läuft meine Rute erneut ab. Wieder ein Schuppi im Standartformat, der nach einem schnellen Foto zurückgeht.

Hundemüde! Schlaf!

Eine Stunde später weckt mich ein weiterer Schuppi.
Ich bin happy, dass unser Plan aufgeht und sich die Vorbereitung

auszahlt. Es fehlt nur noch ein Fisch für Connor, der obwohl er die eigentlich bessere Stelle befischt, bisher leer ausgeht. Egal, Connor kann sich ehrlich für mich freuen. Endlich können wir ein paar Stunden durchpennen.

                                                                                                                                                                   Karpfen zwei, drei und vier. Läuft doch!

 

Morgenstund hat…

Dass es bereits hell ist fällt mir erst auf, als ich die Augen öffne. Mein Vario XXL ist einfach dunkel wie eine Höhle. Geweckt werde ich von einem Lauf. Aber es meldet sich nicht meine Funkbox, sondern die von Connors Falcons und Sekunden später steht Connor im Drill. Schnell merkt er, dass der Fisch ein besserer ist. Meter um Meter Schnur nimmt er und nutzt dabei die Strömung geschickt aus.
Es piept wieder. Aus meiner Funke. Häh? Hat Connors Karpfen meine Schnur eingefangen? Nein, der ist doch viel zu weit rechts…
Das ist ein Lauf! Ein kurzer Sprint zur Rute mit anschließendem Sturz in die Mocke und schon stehen Connor und ich im Doppeldrill. Wir können es kaum fassen. Ich keschere einen kleinen Schuppenkarpfen und lasse ihn schnell wieder frei, um Connor unterstützen zu können.
Als wir den Fisch das erste Mal sehen, erkennen wir, dass wir eine echte Ausnahme im Drill haben. Einer der extrem seltenen Spiegelkarpfen zeigt sich und groß ist er dazu. Das Keschern gelingt problemlos und Connor kann die Ausmaße des Fisches kaum begreifen. Ich bin mir sicher. Der hat die 40!
Die Waage spricht Wahrheit und bleibt bei 17,5 Kilo stehen. Kein Vierziger, aber ein top Fisch!
Schnell sind gute Aufnahmen auf der SD Karte der Canon und der Karpfen wieder in seinem Element. Unser Glück ist voll aufgebraucht, also bleiben die Ruten nun draußen. Beim Frühstück werden die Bilder auf der Kamera begutachtet und im Anschluss beenden wir die Session.

 

                                                                                                                                                                                                   Wow!

 

Fazit:

Mein Vorsatz besser vorbereitet zu fischen ging komplett auf. Bereits in der ersten Nacht im tiefsten Winter konnte ich fünf Fische überlisten. Der Aufwand lohnt sich also. Ich denke ich sollte manchmal einfach mehr Zeit für die Vorbereitung, als für planlose Fischerei aufwenden. Ich freue mich tierisch für Connors Ausnahmefisch und bin mir ganz sicher, dass wir es im Februar an anderer Stelle erneut versuchen werden und glaube, dass auch Petrus das Sprichwort der ausgleichenden Gerechtigkeit kennt. Euer Lukas.

                                                                                                                                                                                                Mein Ergebnis des Doppeldrills