In einer der aktuellen Ausgaben der Carp Connect wurde ich zum ersten Mal auf die „Garage“ von B.Richi aufmerksam. In Zeiten, wo die Tendenz vermehrt zum leichten Fischen auf Karpfen geht, trumpft B.Richi selbstbewusst mit dem “T-Rex Gigant Bivvy” auf. Als jemand, der den Tacklehype eher kritisch betrachtet, stellte ich mir direkt die Frage: “Ist dies das Domizil, auf dass die Szene gewartet hat, oder ist der Bogen der Materialschlacht durch diese Neuvorstellung nun endgültig überspannt?”.

Um meine Fragen beantworten zu können, setzte ich als überzeugter B.Richi Kunde alles daran, der „Garage“ einem Praxistest zu unterziehen. Schliesslich kam das Zelt gerade recht, um uns auf der geplanten Frankreichtour im August 2008 zu begleiten. Somit stand meinem Vorhaben, den Giganten ausgiebig unter die Lupe zu nehmen, nichts mehr im Wege.

[componentheading]Der erste Kontakt nach dem Kauf[/componentheading]

Das T-Rex Gigant präsentiert sich, obligatorisch für die Bivvies von B.Richi, in einer stabilen und ansprechenden Tasche. In diesem Fall fällt die Tasche jedoch etwas größer aus. Auch das Gewicht ist mit ca. 18 Kg natürlich höher. Verwunderlich war die Gewichtsangabe für mich allerdings schon. Getippt hätte ich mindestens 5 Kg mehr. Aus diesem Grund bin ich davon überzeugt, dass der gemeine Karpfenangler locker dazu in der Lage sein sollte, den Giganten auch zu weit abgelegenen Spots mühelos transportieren zu können.

Auch das Packmaß, welches bei überbeladenen Kombis eine wichtige Rolle spielt, liegt voll im Toleranzbereich. Somit konnten wir unseren treuen Begleiter „T-Rex 2 Man“ auch noch einpacken – quasi als Tagesresidenz und Küche. Völlig überflüssig, wie sich später herausstellen sollte. Aber dazu später mehr.

Auf nach Frankreich war nach den Vorbereitungen an einem Montagmorgen um 4 Uhr dann auch schon das Motto! Ich hatte bereits schon öfters in Frankreich gefischt. Für Harri, meinem Angelpartner, war der Trip eine Premiere. Somit fieberte Harri der „Tour de France“ sehnsüchtig entgegen.

 

[componentheading]Die Anreise[/componentheading]

Mittags war es dann soweit! Nach einer entspannten Fahrt kamen wir an „unserem“ See an. In Frankreich freute ich mich in erster Linie auf das schöne Wetter und die nahezu unberührte Natur. Aber leider ist das Wetter nicht planbar und so kamen wir bei absoluter Windstille, Dauerregen und einer Hochsommer unwürdigen Temperatur von 19 Grad an.

Wir fingen aufgrund des nassen Witterung sofort mit dem Aufbau des Giganten an. Dabei erfreuten wir uns an der altbekannten B.Richi Technik. Die bei guten Karpfenzelten fast schon obligatorischen und mit stabilen  Gummibändern verbundenen drei Steckstangen ineinander gesteckt, das Zugband unten befestigt, die Zwischenstangen eingesetzt und den Koloss mit T-Pegs fixiert. Dann noch kurz das Skin übergeworfen und mit den stabilen Gummis mit T-Pegs fixiert.

Der Aufbau gestaltete sich also sehr einfach und innerhalb kürzester Zeit. Genau wie beim T-Rex 2 Man Dome würde ich von rund 4 Minuten Aufbauzeit ausgehen. Wenn das Wetter nicht mitspielt halte ich eine kurze Aufbauzeit für besonders wichtig. Ich bin kein Schönwetterangler, freue mich aber, durch durchdachte Technik schnellstmöglich im Trockenen sitzen zu können. Wer zu Anfang einer Session schon mal patschnass sein Tackle zusammengeklaubt hat, kann diesen Anspruch vielleicht nachvollziehen.

Nachdem sich der Regen dann glücklicherweise etwas gelegt hatte, begannen wir damit unser T-Rex 2Man aufzubauen. Dann erst stellten wir unsere Liegen in den T-Rex Giganten.

Es sah schon lustig aus, unsere Bedchairs, die sonst schon mal Kontakt zu der Ausenhaut unseren 2 Man-Domes haben, stehen ganz locker in unserem neuen Heim. Realistisch gesehen bietet das Zelt sogar Platz für 3 Liegen und es besteht dennoch die Möglichkeit, ohne zu Stolpern hinauszukommen. Wahlweise wäre es auch möglich gewesen, beide Raptor Ultra Light Carp-Chairs nebeneinander, zwischen den Liegen, aufzustellen. Platz en masse quasi!

Da sich, durch die (Wetter bedingte) überstürzte Aufbauaktion, fast das gesamte Tackle von 2 Personen für eine Woche noch im Zelt befand und wir das Platzangebot immer noch als geräumig empfunden, ärgerten wir uns schon fast darüber, dass wir zusätzlich noch das T-Rex 2 Man Dome aufgebaut hatten. In diesem Fall könnte dann tatsächlich von übertriebener Dekadenz die Rede sein, um an dieser Stelle schon mal auf die Eingangsfrage einzugehen.

[componentheading]Jetzt sollte es losgehen…..[/componentheading]

Die Gewässerstruktur des mir unbekannten Sees, die Beschaffenheit des Ufers und der Wind schienen uns fast alle Optionen des flexiblen Karpfenangelns offen zu lassen. Aufgrund der vielen Möglichkeiten, die unsere Angelstelle offensichtlich zu bieten schien, entschieden wir uns für die (wieder) lieb gewonnenen Banksticks. Auch wenn Banksticks nicht unbedingt zu den optischen Leckerbissen zählen, bieten sie aus meiner Sicht eine flexiblere Einsatzmöglichkeit, da sich jede Rute einzeln ausrichten lässt – in alle erdenklichen Positionen. Bei halbwegs geeignetem Untergrund und Sticks, welche auch lang genug sind, ergeben sich in der Regel auch keine Stabilitätsprobleme, wie manch aufmerksamer Leser jetzt vielleicht befürchten mag.

Nachdem wir das unser Spots ausgiebig mit Boot und Echolot erkundet haben, plazierten wir unsere Köder. Die Schlacht kann beginnen…

Es folgte eine Bilderbuchsituation: Der Himmel klarte auf und die Sonne zeigte in voller Pracht. Wir setzten uns nach draußen uns siehe da – das wohlverdiente erste Bier war sogar noch kalt. Was für ein Moment!

Während sich meine selbstgerollten Murmeln in ca. 2,5 Metern Tiefe in der Sonne aalten, wurden Harris Tigernüsse von Korkkügelchen aufgepopt in verschiedene Tiefen bis 2,5 Meter abgelegt. All unsere Köder wurden den Karpfen neckisch auf den wenig unbekrauteten Sandflächen feilgeboten. Meine Spekulatius + X Boilies wurden in Ufernähe angeboten.

Nach nur wenigen Minuten gab es bei mir an der Rute auch schon den ersten Fischkontakt. Leider kamen die Schleien den Karpfen zuvor. Nicht, dass die Tinca Tinca kein schöner Fisch wäre, oder gar den Titel „Fisch 2007“ nicht zu Recht tragen würde, doch sie sollte in dieser Woche nicht unser Zielfisch sein.

Nach der 3. Schleie innerhalb von 2 Stunden schieden meine sehr aktiven Boilies in diesem Gewässer leider flott aus. Sie verloren zu schnell an Konsistenz und konnten den Tinca Attacken einfach nicht standhalten. Da meine Selbstgerollen über verschiedenste Flavours verfügten, aber leider alle die gleichen Eigenschaften hatten, musste ich mich wohl für diese Woche von meinem Lieblingsköder verabschieden. Härtere Boilies mussten her.

Zum Glück half mir Harri mit ein paar guten und vorher ausgehärteten Readymades und Tigernüssen aus. Angefüttert wurde übrigens ausschließlich mit Boilies und pflanzlichen Pellets, da bei der Verwendung von Fischpelletes schnell die Brassen Schlange standen.

[componentheading]Hot as hell![/componentheading]

Je später die Stunde, desto wärmer wurde es. Gegen 19 Uhr schien die Sonne dann genau auf unseren Angelplatz. Die Hitze wurde fast unerträglich. Naja, war es nicht genau das, was ich mir vom Karpfenangeln in Frankreich erhofft habe? Ja, dachte ich mir, klaute mir Harris Sonnencreme und zeigte dem Lorenz mal was ich so drauf habe. Gegen 22 Uhr ließ die Sonne dann, genau wie meine Augenlieder auch, nach.

Nach einem sowohl schönen, als auch anstrengenden Tag, freute ich mich auf ein Schläfchen in gepflegter Atmosphäre – sprich im neuen T-Rex Gigant. Durch die angenehme grosse Distanz zu Harri (er neigt schon mal zum lauten Schnarchen), begleitete mich B.Richis „Kleinwagengarage“ schneller in das Reich der Träume, als es das T-Rex 2 Man Dome je geschafft hätte.

Dann war es soweit! Nach nur einer Stunde Schlaf gab es den ersten Vollrun an meiner Rute! Aufgrund der Befürchtung, es könnte nochmals regnen oder die Mücken würden uns aussaugen, verschlossen wir den Tempel zuvor komplett. Der große Eingang und die grossen reflektierenden Reißverschlüsse trugen jedoch dazu bei, dass ich in Rekordzeit an meiner Rute war und den Kontakt zum Fisch aufnehmen konnte. Souverän drillte und landete ich den ersten Karpfen unserer Session, welcher in Form eines wunderschönen Spieglers immerhin gute 26 Pfund auf die Waage brachte. Ein guter Anfang….

Nach dem Drill konnte ich mein persönliches Highlight mit dem neuen Zelt erleben. Nachdem ich den Fisch versorgte und wieder dem nassen Element übergab, rollte ich noch kurz das Skin des Giganten halb nach hinten. Als ich wieder auf meiner Liege lag wurde ich von einem wunderbaren Sternenhimmel begrüßt!

Der Gigant verfügt nämlich über vier großflächige Moskitonetze an der Decke, sowie über drei große Moskitonetze im Eingangsbereich. Somit bot sich bei sternklarer Nacht ein Anblick wie in einer Sternwarte! Uns das Zweitbeste: Das Klima im Zelt! Mückenfrei dank Moskitonetz und Schweißfrei durch die dennoch sehr gut mögliche Luftzirkulation. Mit der Gewissheit, eine perfekte Nacht durchleben zu dürfen, liess ich mich von den Eindrücken des ersten Tages in das Reich der Träume begleiten.

 

Die folgenden Tage verliefen angeltechnisch immer gleich. Wir fütterten tagsüber immer wieder die Spots und  und fingen zwischendurch immer wieder schöne Karpfen. Selten waren unsere Matten trocken. An dieser Stelle muss ich fairer Weise 😉 sagen, dass das mit den Karpfen auf der Matte überwiegend mein Glück war. Harri hatte sich mit den Tincas angelegt und die wussten wie man jemanden richtig nervt.

Wir konnten die herrliche Session voll und ganz genießen und natürlich auch dem einen oder anderen Genossen die Flossen reichen. Auch Petrus war auf unserer Seite und beschenkte uns mit schon fast zu lauen Sommernächten.

 

[componentheading]Hell on earth![/componentheading]

Am vorletzten Tag der Session fing es wieder an zu regnen. Französicher Landregen bei 30 Grad Aussentemperatur. Das Dschungel-Camp lässt grüssen…..

Die Nachttemperatur war unerträglich. Der Regen hatte zwar aufgehört, doch zeigte das Thermometer nachts ums 2 Uhr immer noch unglaubliche 24 Grad an. In der Hitze dieser Nacht rollten wir das Skin vom Giganten deshalb wieder halb auf, da wir im Falle eines Schauers schnellstmöglich handlungsfähig sein wollten. In diesem Zustand wird der Gigant innerhalb weniger Sekunden vom „Cabrio“ zu einer Bastion gegen die Naturgewalten!

Morgens um 5 Uhr wurden wir mal wieder unsanft geweckt. Diesmal aber leider nicht durch das Piepen der Falcon´s, sondern durch ein Donnern, welches seinesgleichen sucht. Sturmflutartig preschten urplötzlich Unmengen Wasser auf uns ein und es zog ein orkanähnlicher Sturm auf. Schnell rollten wir das Skin über den Giganten. Durch die Größe bietet das Zelt augenscheinlich eine große Angriffsfläche für den tosenden Wind und macht mir gedanken um die T-Pegs während das Zelt den Wassermengen ohne weiteres trotzte. Doch obwohl wir das Zelt von uns  mit einer gewissen mediteranen Gleichgültigkeit aufgebaut wurde, flatterte es kaum. Es stand bombenfest.

Unsere Session, in der wir einige Karpfen in den Größen zwischen 15 bis 34 Pfund überlisten konnten, endete mit einem wunderbaren Naturschauspiel. Direkt nach dem Unwetter tauchte sich die Morgenröte in ein komplettes lila und am Horizont standen 2 Regenbogen gleichzeit am Himmel. Ein perfekter Abschluss einer perfekt Session. Anglerherz was willst du mehr…..

Auf dem Heimweg blieb uns noch genügend Zeit über das neue B.Richi T-Rex Gigant zu philosophieren. Essentiell ist dieses wunderbare Produkt aus dem Hause B.Richi nicht zwangsläufig, kamen Harri und ich auf einen Nenner. Doch wer Wert darauf legt, die knappe Zeit am Wasser so angenehm wie Möglich zu gestalten, kann mit dem Giganten selbst einiges dazu beitragen.

Gerade für längere Sessions oder das Fischen zu zweit halte ich das Dome für absolut empfehlenswert und ich möchte es nicht mehr missen.

Mario Böld