Ein Moment für die Ewigkeit

 

Ich will euch jetzt mal mitnehmen in einen Moment den ich mit meinem guten Kumpel Rob Delgijer, vor 3 Jahren, genauer gesagt, zu Ostern 2015 erlebt habe. Einen Moment den ich sicherlich niemals vergessen werde. Es war einer der Augenblicke die man als Angler erlebt und später noch seinen Enkelkindern erzählen möchte und seien wir mal ganz ehrlich, man muss schon etwas verrückt sein um an Deutschlands Wasserstraße Nummer 1 den Karpfen nachzustellen. Aber gut, das sind wir beide sicherlich auch. Sonst würden wir uns nicht immer wieder dieser Herausforderung stellen. Aber so ab und zu erlebt man, nach all der Zeit der Entbehrung, diesen einen Moment, der für alles entschädigt und von so einem Moment erzähle ich euch jetzt.

Rob und ich planten seit langem mal wieder, zusammen, ein verlängertes Wochenende fischen zu gehen. Es wurde ja auch wirklich mal wieder Zeit. Denn nach der langen Winterpause konnten wir es beide nicht abwarten endlich wieder den Karpfen nachzustellen und somit planten wir für uns das anstehende Osterwochenende ein. Von Freitags bis Montag in der Frühe. Mittags wollten wir dann wieder bei unseren Familien sein denn schließlich war Ostern und die Eier mussten auch natürlich noch mit unseren Kindern gesucht werden. Die Entscheidung war schnell gefallen. Der Rhein sollte es sein. Besser gesagt ein Teilstück davon, was im Strömungsschatten lag. Wo wir ganz entspannt fischen konnten und sicher sein würden das unser Futter nicht gleich weggespült würde. Für uns beide war es sicherlich neu zu dieser Jahreszeit eine Session am Strom zu verbringen. Denn das Wasser zu dieser Zeit ist noch extrem kalt und dies erhöhte unsere Chancen den einen oder anderen Fisch landen zu können sicherlich nicht. Wir wollten es natürlich trotzdem wagen, denn wer nicht fischen geht konnte bekanntlich auch nichts fangen und seien wir mal ehrlich mehr als das wir als Schneider wieder nach Hause fahren konnte ja halt nicht passieren und dann wüssten wir beim nächsten Mal auch gleich dass wir so eine Tour, zu dieser Jahreszeit nicht mehr am Rhein einplanen brauchten. Wir gingen diese Tour deshalb auch sehr entspannt an und freuten uns auf ein paar relaxte Tage am Bach. So ganz ohne den alltäglichen Stress. Den bekanntlich jeder von uns kennt, der Arbeit und Familie managen muss.

Wir entschieden uns 2 Wochen vorher alle 2 Tage ca. 2,5Kg Boilies in 15mm und 20mm zu füttern. Mehr trauten wir uns bei diesen Wassertemperaturen noch nicht. Sobald die Quecksilbersäule irgendwann schließlich wieder 2 stellige Plus Temperaturen anzeigen würde konnten sich die Futtermengen schon mal leicht vervielfachen und dann lautet die Devise wieder nicht kleckern sondern klotzen. Denn hier am Rhein bei diesen Fließgeschwindigkeiten und dem hohen Aufgebot an Berufsschifffahrt ist es ausschlaggebend an dem Zeitpunkt, wenn die Fische über unseren Futterplatz ziehen, dass dann auch tatsächlich noch was zu fressen da liegt und nicht schon alles Stromabwärts gespült worden ist.

Dann war es endlich soweit ich holte Rob gegen Nachmittag ab und wir starteten zum Bach durch. Dann noch eben schnell alles aufgebaut und kurz vor dem Eintritt der Dunkelheit öffneten wir uns erst einmal ein wohl verdientes Bier. Endlich am Wasser und das Wochenende kann beginnen und hoffentlich gehen wir in unserer ersten Session nicht leer aus, dachte ich mir. Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.

Dann plötzlich ging alles ganz schnell. Mein linker Bissanzeiger schrie plötzlich auf und ich stand kurze Zeit später schon im drill mit einem Fisch und der verlangte mir schon in den ersten Sekunden einiges ab. Fische im Rhein sind bekannt für ihre Kampfstärke. Nur der Drill fühlte sich noch 2 Stufen extremer an. Plötzlich fing der andere Bissanzeiger dann auch noch langsam an zu piepen und ich bat Rob die Spitze meiner zweiten Ruten ins Wasser zu tauchen. Der Gedanke dahinter war eigentlich ganz einfach. Ich dachte das der Fisch den ich im Drill hatte die Schnur der anderen Rute eingesammelt hatte und durch das abtauchen dieser Rutenspitze ins Wasser erhoffte ich mir dass sich diese Schnur wieder vom Fisch löste. Doch als Rob die Rute in die Hand nehmen wollte lief diese auch schon mit Volldampf ab. So standen wir nach kurzer Zeit auf einmal beide da und drillten unsere Fische. Nach einem extrem starken Fight durfte ich meinen Fisch endlich keschern und als ich den Fisch zur Abhakmatte tragen wollte viel mir jetzt erst auf was ich für ein Schwergewicht gelandet hatte.

Aber dazu später mehr. Denn Rob war ja auch noch mit seinem Fisch beschäftigt. Als er diesen dann letztendlich auch landen durfte waren wir beide noch vollgepumpt mit Adrenalin. Denn so was erlebt man zum Saisonstart, und dies so früh im Jahr, wirklich nur ganz selten. Einen lupenreinen Doppelrun und das kurz nachdem wir die Ruten ausgeworfen hatten. Einfach nur fantastisch. Wir wogen die Fische. Bei Rob seinem Spiegler blieb die Nadel bei 18.5Kg stehen und bei meiner Schuppen Dame auf 27.5Kg. Was für ein Saisonstart. 2 wirkliche Granaten aus dem Rhein und das in kürzester Zeit. Wenn man dann noch bedenkt das wir so ein Brett von Schuppie noch niemals im Rhein gefangen hatten oder geschweige denn bis zu diesem Zeitpunkt von gehört oder gesehen hatten, waren wir beide natürlich von Glücksgefühlen überwältigt und genossen später am Abend schließlich noch die obligatorische Fangzigarre. Welche immer geraucht wird wenn besondere Fänge an der Tagesordnung sind. Ein Moment für die Ewigkeit und sicherlich einer der Höhepunkte in all den Jahren die ich den Karpfen jetzt schon nachstelle.

In diesem Sinne

Heinz-Peter Boskamp

(Supporter B.Richi Tackle)