Der letzte Trip an den Ebro lag gerade 8 Monate zurück. Im Januar fühlte ich dem Ebro nach einem Kurztrip mit Erfolg auf den Zahn. Es ist nun Ende September. Ein Freund wollte zum Motorradrennen nach Aragon und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte mitzukommen.

Aragon? Das ist doch in der Nähe vom Ebro? Ich komm mit. Aber nur wenn wir 2 Wochen fahren……

1 Woche später passierten wir die Ebrobrücke in Mequinenza. Ich hätte nie gedacht, dass ich den Tümpel in diesem Jahr noch mal wieder sehe. Im Winter angelte ich im katalonischen Teil des Ebros. Dort bin ich aufgrund eines Wintereinbruchs kurzfristig vertrieben worden. Diesmal waren es ganz andere Voraussetzungen. Der Sommer hatte den Ebro noch nicht ganz verlassen, so dass Tagestemperaturen von nahezu 30 Grad keine Seltenheit war.

Wir wollten nach Ankunft direkt 3 Tage am Stück fischen. Danach 2 Tage Moto GP in Aragon und danach noch mal 4 Tage zurück an den Ebro. Yeah! So angeln Profis….. Wir buchten einen Zeltplatz beim Wels-Camp Matarrana und starteten von dort aus unsere Trips. Der Wagen stand dort sicher. Und Sanitäre –Einrichtungen sind bei längeren Tripps immer willkommen. Die Lizenzen für den Aragonischen Teil konnten wir nach vorheriger Absprache direkt am Camp in Empfang nehmen.

Das Wels-Camp befindet sich ca. 22 Flusskilometer von Mequinenza. Von hier aus wollten wir in der ersten Woche Tripps zu 3 verschiedenen Stellen in der Gegend rund um Fayon starten. Vom Wels-Camp waren es 70km bis zur Rennstrecke und 50 Meter bis zum Ebro. Ein idealer Platz. Von Zivilisation ist, abgesehen von dem Dörfchen Fayon, nicht viel zu sehen. Hier beginnt die Wildnis.

Als wir das Mietboot am gleichen Abend noch in Empfang nahmen um eine kleine Runde zu drehen war mit klar, dass dies ein ganz anderes Angeln als weiter unten in Mequinenza, wo man bequem von Auto aus angeln konnte, war. Hier unten war noch alles naturbelassen. Es gab es nichts als Felsen und bis zu 130 Meter hohe Steilwände. Ohne Boot hat man hier keine Chance. Die Wassertemperatur betrug 26 Grad. Perfekte Bedingungen.

Von Mittwoch bis Freitag fischten wir 2 verschiedene Stellen. Als wir Mittwochmorgens ausgeruht mit dem Boot weiter Flussaufwärts in den Flachen Teils des Ebros schipperten, konnten wir die einmalig Natur genießen. Mehrere Geier versammelten sich und folgten uns die 3 Flusskilometer stromaufwärts. Ein gutes Zeichen nehme ich an?! Weis der Geier……

Wir passierten atemberaubende Steilwände welche schier endlos in Himmel ragten. Phänomenal! Das Echolot und ein am Horizont sich anbahnender Unterwasserurwald zeigt uns an, dass hier das ruhigere Flachwasser beginnt. Wir fanden einen kleinen Platz zwischen den mit Bäumen und Felsen umsäumten Uferbereich. Von hier aus konnten wir die Ruten mit Banks auf einer kleinen Sandbank ca. 40-50 Meter vor unseren Füssen platzieren. Das Angeln auf großen Entfernungen braucht ist meines Erachtens am Ebro nicht nötig. Die Fische ziehen in großen Schulen über die Futterplätze – und das vornehmlich in den frühen Morgenstunden. Die Ruten waren schnell im Wasser. Ich fütterte pro Spot einen Mix von ca. 2-3 Kilos Mais, Tigernüsse und fischige Neptun LT Boilies. Auf Pellets verzichtete ich gänzlich.

Ich fischte stinknormale und robuste Montagen bestückt mit einem Neptun LT Schneemann kombiniert mit einer Tigernuss und einem Plastikmaiskorn. Es dauerte auch nicht lange und der erste lange Schatten bog um die Ecke über die Sandbank. Da sind se Digger!!!!! Der Schatten blieb stehen und……sonnte sich. Keine Anzeichen von Neugier geschweige denn Kohldampf. Wir beobachteten an diesem Tag immer wieder Einzelfische welche ganz langsam über unseren Spot hinein in den Unterwasserurwald zogen.

Es war so gegen 23 Uhr, als wir unsere Ruten aufgrund des Nachtangelverbots aus dem Wasser nahmen. Wir verzogen uns in die Schlafsäcke und stellten den Wecker auf 4:30 Uhr und platzierten die Ruten neu. Nach 15 Minuten gab es ein Fullrun auf einer der auf der Sandbank platzierten Rute. Der Fisch schoss ab wie Sau. Da wir wussten, dass die nähere Umgebung unseres Platz nahezu baumfrei waren, konnte ich den Drill entspannt vom Ufer aus genießen. Im Winter diesen Jahres waren die Karpfen leicht auszudrillen. Jetzt im Sommer war die Wassertemperatur 15 Grad wärmer als im Januar. Dies machte sich beim Temperament der Fische bemerkbar. Nach 10 Minuten konnte ich den ersten Burschen verhaften. 14 Pfd. und gekämpft wie ein Großer.

 

Es war wieder soweit

40 Minuten später konnten wir den nächsten Schuppi keschern. Wieder spektakulär gedrillt und wieder „nur“ 14 Pfd. Die Beiszseit endete abrupt im Morgengrauen. Dieses Verhalten konnte ich schon Winter weiter oben in Mequinenza beobachten. Auch dort ging, zumindest in dem Abschnitt in dem ich saß, nur im Dunkeln was. Gegen 11 Uhr rafften wir unser Gerödel zusammen und hüpften ab ins Boot. Nach 20 Minuten Fahrt schauten wir uns eine Stelle gegenüber einer Steilwand an. Von hier aus ging es nach 10 Meter einen Abhang steil runter auf 14 Meter. 3 Ruten verteilten wir in großen Abständen vor der Kante. Mit der vierten Rute versuchte ich mein Glück hinter einer Kate welche steil von 10 Meter steil auf 18 Meter abfiel.

Ich montierte eine aufgepoppte Plastikmaiskette kombiniert mit Tigernüssen. Ich wollte versuchen Karpfen, welche tagsüber die Kanten langzogen, abzufangen. Wäre doch gelacht wenn ich hier nicht mal tagsüber einen fange…. Lange Rede kurzer Sinn. Es lief nix. Weder tagsüber noch in die Nacht hinein. Wir hatten die Latten bis Mitternachts an den Spots liegen lassen – ohne Erfolg. Selbst die regelmäßige Beisszeit in den Morgenstunden brachte an dieser Stelle nicht einen Biss. Anders als an den großen Stauseen in Frankreich war diese markanten Stellen hinter den steil abfallenden Kanten nicht einmal ansatzweise produktiv.

Wir wechselten für die letzte Nacht der Session nochmalig den Platz. Diesmal suchten wir uns eine Stelle flussabwärts Richtung Mequinenza. Nach ca. 4 km kamen wir richteten wir uns an einem verlassen Bauernhaus ein. Das Echolot zeigte hier konstant, aber nicht zu steil, abfallenden Boden ohne größere Felsen. Dieser Spot war ideal um noch mal alle Tiefen abzustreuen. Wir starteten einen neuen Versuch einen goldenen Ebro-Meter aus den Fluten zu hieven. Wir fischten diesmal in Tiefen von 2,5 bis 8 Meter. Die flache Rute kam direkt hinter einem Krautfeld zu liegen. Hier habe ich diesmal „nur“ 1 KG Mais großflächig verklappt. Als Montage verwendete ich diesmal an allen Ruten eine aufgepoppte Pastikmais-Tigernuss-Kette ca. 2 cm über den Grund. Tagsüber war es wie erwartend ruhig. Der Abend allerdings wurde stressig.

Ab 22 Uhr ging es Biss auf Biss. Es war gegen 0 Uhr, als wir unsere Montagen aus dem Wasser zogen. Wir hatten unterm Strich 5 Karpfen bis 24 Pfd. auf der Habenseite. Und das alles auf Mais und Tigernüsse. Anders als diesen Winter weiter oben in Mequinenza, wo Pellets und Fish-Boilies kombiniert mit einem Plastik-Maiskorn die Top-Köder waren, gingen die Fische mittlerweile nur noch auf Mais und Tigernüsse ab. Wir brachen am anderen Tag unsere Session ab und fuhren zurück zum Camp.

Bevor wir die nächsten 2 Tage zum Motorradrennen zum Motorland Aragon fuhren, legten wir uns für die 2. Session insgesamt 5 Kilo Tigernüsse und 20 Kilo Mais in die Speedbags und stellten diese in der prallen Sonne. Somit hatten wir genügend Futter für die nächste Session. Nach 2 spektakulären Tagen an der Rennstrecke kamen fuhren wir am Montag-Nachmittag zurück zum Camp. Der Meter-Karpfen musste fallen. Diesmal setzen wir alles auf eine Karte. Ich versuchte die Fische über Futter tagsüber zum beißen zu bringen.

Der Plan war die Karpfenhorden über einen konstant gefütterte Futterteppiche auf dem Platz zu halten. Hohe Futtermengen waren von Nöten. Wir wählten diesmal eine Stelle in der Nähe der gefluteten Kirchturmspitze in der Nähe von Fayon. Das Echolot zeigte an dieser Stelle nicht ein Hindernis an – keine Bäume, keine Felsen. Das Ufer ging sofort steil auf 9 Meter runter. Von dort aus ging es 80 Meter Richtung Flussmitte ganz seicht runter auf 12 Meter. Die zuvor in den Speedbags eingelegte Futter wurde beim ersten Anfüttern halbiert. Sobald die ersten Speedbags leer waren haben wir diese wieder mit Mais, Tigernüssen und Wasser befüllt und sofort in die Sonne gestellt. Wir fütterten viel und regelmäßig.

Am ersten Abend gab es nur einen Biss. Der Fisch stieg nach kurzem Drill aus. Der Morgen danach blieb ruhig. Ich wusste, dass wenn eine Battalion Karpfen entlang zog, wir die Fische aufgrund des großen Futteraufwands für längere Zeit auf der Stelle halten könnten. Wir warteten auf die Stunde X. Die Fische würden kommen, da war ich sicher. Nur wann? Das Wetter schlug in der Nacht um. Es wurde kälter. Bis zum Mittag hielten sich dicke Nebelschwaden über dem Ebro. Selbst die Thermik verwöhnten Geier blieben bis zum Mittag zuhause.

Die Lufttemperatur betrug nur noch 20 Grad – die Nacht zuvor hatten wir frische 6 Grad. Gegen Mittag exekutierte eine frische Brise die letzten Nebelschwaden aus dem Tal. Die Sonne kam raus – und die Karpfen auch! Gegen Mittag pfiff die Rute auf 12 Meter ab. Ich drillte zum ersten Mal in meinem Leben einen Ebro-Karpfen bei Tageslicht. Ich zog einen einäugigen und verkrüppelten 26 Pfd. schweren Schuppi, welcher den Anschein hatte, schon einmal mit einem Waller Bekanntschaft gemacht zu hatte, über den Kescher. Die verräterische Sichel am Rücken des Karpfens sprach Bände. Ich brachte die Rute sofort neu raus und fütterte 5 Kg Mais und Tigernüsse hinterher. Mittlerweile tat sich auch bei Stephan was. Ich sah vom Boot aus, wie er mit gekrümmter Rute am Ufer stand. Schnell zurück und die Rute aufs Pod. Stephans Karpfen hatte gute 20 Pfd. Das Durchschnittsgewicht stieg…

Wir fütterten alle Spods nochmals mit 20 KG Mais und Tigernüsse nach. Die Fische bissen nun im 2 Stunden Takt. Insgesamt 10 Fische bis 29 Pfd. fanden den Weg auf unsere Abhakmatten. Die Taktik ging Voll und Ganz auf. Die Fische blieben auf dem Platz. Wir fütterten abends nochmalig großflächig an. Obwohl wir, nachdem der Vollmond abends über die Klippen ragte, keine Bisse mehr hatten, wusste ich, dass da noch mehr kommt. Der Vollmond verschwand morgens gegen 5:30 hinter den Bergen und tauchte den Ebro für 2 Stunden ein schwarzes Etwas.

In diesen 2 Stunden muss was gehen. 6:30 Uhr: Fullrun auf meine 9 Meter Rute welche keine 20 Meter vor meinen Füssen abgelegt war. Ich stand auf einer halb versunkenen Mauer und drillte irgendwas da unten im Ebro. Der Fisch zog links und rechts, vor und zurück, nach unten und nach oben. Nach ermüdenden 20 Minute konnte ich einen langen Goldbarren in 2 Meter Tiefe erkennen. Ein Karpfen – ein langer Karpfen! Das Metermaß blieb bei 1,12 stehen – die Waage bei 33 Pfund. Ich hatte meinen Meterkarpfen. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Kaum war der Fisch zurückgesetzt, pfiff Stephans Rute ab. Auch 9 Meter – auch in 20 Meter Entfernung. Nach ungewöhnlich kurzem Drill konnten wir den Fisch sicher landen. Fast 30Pfd. – Fast 1 Meter! Die Großen ziehen über den Futterteppich! GEIL! Ich kurbelte sofort meine 12 Meter Tiefe Rute ein und war Sie 20 Meter weiter vor meine Füssen. Alle Schnüre wurden sofort abgesenkt. Psst! Keiner darf uns sehen……

Wir fütterten unsere letzten Reserven nach. Fullrun auf der gerade ausgeworfenen Rute. Wieder fast 30 Pfd. – und wieder fast 1 Meter. 3 Karpfen in 1 Stunde. Outstanding…… Gerade neu ausgeworfen, stand Stefan mit gekrümmter Rute auf den Felsen. Der Fisch gab alles – aber nicht genug. 31 Pfund bei 1,04 Meter. Torpedo-Alarm! Insgesamt fielen an diesem Vormittag noch weitere 5 Karpfen bis 27 Pfund. Der Plan die Fische über Futter auf dem Platz zu halten ging auf. Insgesamt verfütterten wir bei dieser 4 Tage Session fast 40 Kg Mais und 20 Kg Tigernüsse. Auf Boilies und Pellets verzichteten wir in der zweiten Woche komplett. Eine Futtertaktik die in diesem Bereich des Ebros aufging! Wer Ebro-Karpfen ärgern will, sollte sich nicht auf seine Boilies verlassen. Mais und Tigernüsse waren die Top-Köder in den 2 Wochen. Anders als im Winter, als ein Neptun LT Pop-Up kombiniert mit einem Pellet der Top-Köder war, fingen wir im Spätsommer so gut wie alle Karpfen auf einer 1 cm über Grund aufgepoppten Plastikmais-Tigernuss Kette.

Die Rigs habe ich so einfach wie möglich gehalten. Robustes Vorfachmaterial und mindestens 20 Meter fette Schlagschnur sind absolut Pflicht. Vielleicht sollte ich noch darauf Hinweisen, dass am Ebro offiziell kein Nachtangeln erlaubt ist. Zudem müssen alle Boote, selbst Schlauchboote, laut Angaben des Wels-Camps eine spanische Lizenz und eine Nummer am Bug haben. Wenn nicht wird’s richtig teuer. Schlauchboote sind wegen der ganzen Unterwasserwälder eh nicht zu empfehlen. Ein Alu- oder GFK-Boot mit Aussenborder ist in dieser Gegend mehr als zu empfehlen.

Die Grenzen der einzelnen autonomen Gebiete Aragon und Katalonien gehen bei Fayon quer durch den Ebro. Da für jedes Gebiet eine eigene Lizenz benötigt wird kann es also vorkommen, dass man aus Versehen im falschen Gebiet „schwarzangelt“. Wer zum Ebro fährt, sollte robustes Material mitnehmen. Schlagschnur, robuste Haken und stabiles Vorfachmaterial sind ein Muss.