Mit meinen Bauch auf der Spundwand liegend, beobachte ich die einige Meter unter mir gelegene Oberfläche, die Wassertiefe beträgt hier ziemlich genau 3 Meter. Es ist Sonntagmorgen mitten im Juli. Die Sonne beginnt schon wieder erbarmungslos vom Himmel auf uns herab zu brennen. Bereits seit 3 Nächten fischen mein Angelpartner Mario und ich wieder in unserem ach so geliebten, aber auch gleichzeitig so verhassten Kanal.

Die ersten beiden Nächte fischten wir in einem alten Hafenbecken ein gutes Stück von unserer jetzigen Stelle entfernt. Ein Tauchgang an der alten Stelle führte uns leider vor Augen, dass unser gesamtes Futter noch unberührt zwischen einzelnen Krautfeldern verteilt lag. Deshalb entschlossen wir unsere Stelle zu wechseln, in der Hoffnung an einer anderen Stelle mehr Erfolg zu haben und vielleicht einen der herumziehenden Karpfen zu überlisten. Meine neue Angelstelle befindet sich nun direkt am Eingang eines großen und stilgelegten Hafenbeckens, mein Partner fischt ein gutes Stück von mit entfernt im Mittelteil des selbigen auf einer großen Muschelbank, die uns bereits in der Vergangenheit einige sehr gute Fische brachte. Um die Spitze zieht sich ein großes Krautfeld, in diesem konnte ich gestern bereits einige kleine Schuppenkarpfen und drei große Schleien beobachten.

Erfolg ist planbar!

Das Wasser liegt nun spiegelglatt und glasklar unter mir, ich kann meine Montage deutlich erkennen, sie liegt gestreckt am Grund, das schwarze Leadcore sticht förmlich auf dem sandigen Grund hervor. Ich bin verwundert, denn meine Boilies sind bis auf meinen Hakenköder völlig weggefressen und trotzdem schwiegen letzte Nacht meine Bissanzeiger. Plötzlich sehe ich einen großen schwarzen Schatten von der linken Seite auf das Krautfeld zu schwimmen. Der Schatten wird immer deutlicher und nun kann ich einen großen und alten Spiegelkarpfen erkennen. Mein Herzschlag erhöht sich schlagartig, das Blut beginnt durch meinen Körper zurasen und jede Menge Adrenalin schüttet sich in mir aus. Doch plötzlich wird der Fisch panisch und er verschwindet blitzartig in den Tiefen der Fahrrinne. Doch über was erschreckte er sich nur so?

Nach kurzem Nachdenken entdecke ich den Auslöser, es war meine Hauptschnur, sie wie eine Gitarrenseite zum Grund gespannt ist, der Karpfen muss sie berührt haben. Sofort kurbele ich die Montage ein, das schwarze auffällige Stück Leadcore ersetze ich schnell durch ein 1m langes Stück durchsichtigen Schlauch. Hinter dieses knete ich einige Stücke Knetblei . Den Hakenköder ersetze ich durch einen weißen 12mm Popup. Bereits einige Minuten später liegt die Montage wieder bereit auf ihrem Spot. Den Hänger der Rute lasse ich durchhängen, nun ist nichts mehr zu sehen, keine Schnur und auch kein Schlauch, nur noch mein kleiner leuchtender Popup und die Handvoll Hanf und Mais Mischung , die ich noch um ihn herum gefüttert habe.

Es vergeht keine Stunde, bis genau diese Rute abläuft und mir kurze Zeit später einen wunderschönen, fast schwarzen Spiegelkarpfen von 16 Kilo beschert. Diese Situation veränderte meine gesamte Fischerei, denn sieverdeutlichte mir, wie wichtig es ist, so unauffällig wie es nur geht zu fischen. Im nachfolgenden erläutere ich, welche Vorteile das Tarnen von Rigs und Schnur mit sich bringt und mit welchen Tricks ich versuche meine Fangausbeute immer weiter zu steigern.

Meine persönliche Fischerei beschäftigt sich die meiste Zeit mit so genannten „Low Stock“ Gewässern, was auf Deutsch so viel übersetzt heißt, wie: Gewässer mit geringer Fischdichte. Um an diesen meist schwierigen und äußerst stark frequentierten Gewässern erfolgreich zu sein, braucht man vor allen Dingen, gute und innovative Ideen, die die eigene Art zu angeln von der der anderen Unterscheidet. Deshalb ist es wichtig, das man möglichst viele Faktoren bei ausbleibendem Erfolgen ausschließen kann, den so behält man den Blick für die Dinge, die man wirklich verändern sollte, wie z. B. dem Angelplatz oder der Futtertaktik.

Hauptschnur

Die Hauptschnur sollte ruhig etwas dicker gewählt werden, da man ja versucht seine Schnur möglichst bodennah zu präsentieren. Um dies zu gewährleisten, knete ich in hindernisarmen Gewässern an 4 Stellen in einem Abstand von ca. einem Meter Knetblei auf die Schnur, so liegt diese immer am Grund. In hindernisreichen Gewässern verzichte ich auf das Knetblei und schalte stattdessen ein Flying Backlead auf die Schnur, dieses ist beweglich und rutscht im falle eines Abrisses schnell von der Schnur. Ich persönlich fische eine 0,40mm dicke, monofile Schnur, vor die ich eine 0,55 mm dicke Schlagschnur schalte, um Muscheln oder sonstigen scharfkantigen Gegenständen nicht den hauch einer Chance zu geben, meine Schnur zu kappen.

Leadcore oder Tube ?

Eigentlich bevorzugte ich bis zu diesem Jahr Leadcore, dieses sinkt auf Grund des inneren Bleikerns schnell zum Gewässerboden und liegt dort dann ganz flach, doch ein eigentlich weiterer Vorteil, den ich mir immer zu nutzen machte, wandelte sich letzten Sommer in einen Nachteil. Das Kraut hielt sich in dem Bereich des Kanals wo ich normalerweise fische immer in Grenzen und die wenigen Krautfelder zerschnitt das Leadcore problemlos, doch die Verkrautung wurde dieses Jahr so extrem, das sich das Leadcore im Kraut festschnitt und nicht mehr zu bergen war. Aus diesem Grund rüsteten wir um auf ganz normalen Rigtube , dieser Schnitt sich nicht fest und so konnten wir mit Hilfe eines Schlauchbootes die meisten Fische aus riesigen Krautfeldern landen. Man sollte sich immer Situationsabhängig für Leadcore oder Tube entscheiden. Doch völlig unabhängig davon, sollten sie Grundsätzlich die Länge ihrer Leader etwas länger wählen, da sie so sicher sein können, dass die ersten Meter hinter ihrem Vorfach immer perfekt am Grund liegen.

Meine Leader sind meistens zwischen 1,2 und 1,5m lang, an diesen wird an einem Safety Clip ein ca. 120 Gramm schweres Blei fixiert. Man sollte immer darauf achten, dass diese der Farbe des Gewässerbodens möglichst nahe kommt. Denn eine gut sichtbare Präsentation könnte argwöhnische Fische und vielleicht schon einige Male gehakte Fische verschrecken. Doch nun stehen wir oft vor der Problematik, das wir kein Boot benutzen dürfen, und unsere Angelplätze womöglich in 80 oder 100 Metern liegt, im Sommer schnappe ich mir in so einer Situation mein Taucherbrille und Flossen und hüpfe in das kühle nass , um mir vor Ort einen Blick über die gesamt Situation zu verschaffen. Doch diese Methode ist nicht für jeden etwas und deshalb hat B.Richi eine Besonderheit in ihrem neuen Kleinteileprogramm, nämlich transparenten Schlauch, dieser ist so gut wie unmöglich zu sehen, egal auf welchem Untergrund er liegt. Dies hat für uns den Vorteil, dass wir uns keine Sorgen mehr über die Beschaffenheit unseres Spots machen müssen.

Vorfach

Nun kommen wir zum wichtigsten Teil der Präsentation, nämlich dem Vorfach. Bei mir kommen nur zwei verschiedene Materialien in Frage, nämlich eine Combilink oder ein ganz einfaches geflochtenes Material. Diese sollten ebenfalls in der Farbe des Gewässergrundes gehalten werden. Ein großer Nachteil vieler Vorfachschnüre ist, dass diese nicht richtig absinken und wenn sie dann nicht perfekt gestreckt am Grund liegen, stehen sie in einem auffälligen Bogen vom diesem ab. Um diesen Umstand vorzubeugen, platziere ich auf zwei Stellen meines Vorfachs Knetblei, dadurch wird es immer zu Boden gezogen. Ein weiterer Vorteil ist, dass das zusätzliche Gewicht auf dem Vorfach den Eindreheffekt beschleunigt und verbessert. Der Haken muss immer zu 100% scharf sein. Des weitern sollte er beschichtet sein, es gibt viele Firmen, die beschichtete Haken anbieten, diese haben einen ganz großen Vorteil, sie reflektieren keine Sonnenstrahlen, die durch die Wasseroberfläche zum Grund gelangen. Also, wird unser Haken nicht verräterisch aufblitzend am Gewässerboden liegen. Man sollte seine Montage vor jedem Auswurf überprüfen und im Zweifelsfall das Vorfach oder die gesamte Montage gegen eine neue und intakte austauschen. Denn es gibt nichts ärgerlicheres als einen Fisch auf Grund der eigenen Faulheit zu verlieren.

Ob ich nun ein geflochtenes oder ein ummanteltes Vorfachgeflecht benutze, ist situationsabhängig, sobald scharfkantige Gegenstände am Gewässergrund zu erwarten sind, greife ich auf ein ummanteltes Geflecht zurück, ansonsten immer auf das ganz normale geflochtene. Ein gutes Beispiel, dafür, warum man immer seine Montage kontrollieren sollte, passierte mir im Frühjahr diesen Jahres. Ich wurde nachts wach, mein Zelt war gleißend hell beleuchtet, ich brauchte einige Sekunden um zu realisieren, dass ein riesiger Schubverband direkt an mir vorüber fuhr. So schnell ich konnte, kurbelte ich meine Montagen ein, nachdem das Wasser sich ein wenig beruhig hatte, warf ich meine Ruten ohne eine weitere Kontrolle wieder aus. Ich war grade wieder eingeschlafen, als eine meine Ruten rasant ablief, ich nahm die Rute auf und der Fisch machte eine harte Flucht nach rechts, im nächsten Moment erschlaffte die Schnur und der Fisch war ausgestiegen. Beim späteren Kontrollieren des Vorfachs, sah ich den Grund für den Verlust des vermeintlich großen Fisches, meine Hakenspitze war verbogen, sie musste wohl beim einkurbeln an einem Stein oder ähnlichen festgehangen haben…

Absenkbleie und durchhängende Schnur

Um den Rest meiner im Wasser vorhandenen Schnur so unauffällig wie möglich zu machen, nutze ich, wenn es möglich ist Absenkbleie, diese halten die Schnur zuverlässig am Boden. Doch man sollte diese nur in Situationen benutzen, in denen man keine direkte Signalisierung des Bisses benötigt, da der Nachteil von Absenkbleien darin besteht, das der Fisch erst einige Meter Schnur abziehen kann, bevor unser Bissanzeiger ein Signal von sich gibt. Also, sollte man nicht direkt vor im Wasser liegenden Bäumen oder anderen Hindernissen fischen. Meine Ruten platziere ich, wenn es möglich ist, auf einzelnen Banksticks, die direkt auf meinen Futterplatz ausgerichtet ist. Da man so keinen unnötigen Winkel zwischen Rute und Schnur hat, so wird jede auch noch so kleine Aktion auf meinem Futterplatz direkt angezeigt. Nach dem auswerfen der Rute, lege ich diese erst wieder auf den Banks ab, dann gebe ich so lange Schnur, bis diese schlaff auf dem Boden liegt, so lasse ich die Rute einige Minuten liegen, weil ich dann sicher bin, das sie wirklich überall am Grund liegt. Dann strafe ich sie ein wenig und lasse ein Absenkblei auf ihr entlang gleiten, wenn dieses den Boden erreicht hat, hängt ich den Hänger ein und straft die Schnur noch ein wenig, der Hänger sollte möglichst nur so weit über dem Boden hängen, das ein Fallbiss noch angezeigt werden kann.

Die Ausnahme

Sicherlich gibt es verschiedene Situationen, wo all diese Vorkommen unnötig sind, z. B. macht es keinen Sinn in einem Gewässer alle Rigkomponenten zu verstecken, in dem die Sichtweite eh weniger als 10 Zentimeter beträgt, oder es gibt auch Situationen, in denen die Fische in einen regelrechten Fressrausch geraten, wenn dies der fall ist, dann können wir alle unsere Bedenken zurück stellen, weil die Fische dann alles einsaugen, was vor ihre Mäuler gerät. Doch diese Fälle sind die absoluten Ausnahmen und im Normalfall, werden die Fische immer misstrauischer und somit auch schwerer zu fangen, doch wenn sie möglichst unauffällig auf dem richtigen Platz fischen, wird der Erfolg nicht lange ausbleiben.

Robin Harant

Quelle: Blinker – Karpfen – Internationales Karpfenmagazin