Natürlich werden viele Leute der Ansicht sein, dass nicht viel dazugehört, in einem Kanal in Ostfriesland einige Rüssler zu überlisten, wenn man den Vergleich zu Seen und Baggerkuhlen nimmt, nur dem ist mit Sicherheit nicht so. Gerade in diesen zuerst von außen monoton wirkenden Gewässern muss man einiges an Arbeit investieren, um regelmäßig Erfolg zu haben. Die Hotspotsuche gestaltet sich oft schwerer als vermutet, da es sehr verschiedene Bodenstrukturen, Wassertiefen und Wassertemperaturen auf kleinsten Arealen gibt. Desweiteren ist gerade an diesem Kanal ein starker Bootsverkehr und regelmäßig wird Wasser abgepumpt. Es ist ein sehr facettenreiches Angeln, ich möchte euch gerne erläutern, wie ich es angehe.

Bei der Stellenwahl bevorzuge ich natürlich die etwas abgelegenen Stellen, fern ab von den Trapelpfaden der meisten Angler, die am liebsten aus dem Auto angeln würden. Meistens mit einer Lotrute und Tastblei bewaffnet, laufe ich lange Strecken am Kanal ab, bis mir eine Stelle zusagt. Meistens vor Büschen oder überhängenden Bäumen mit einer Wassertiefe von 0,50m bis 1.50m mit hartem Untergrund sind ideal. Also, wenn alles passt, fang ich gleich mit Partikeln und einer Hand voll Boilies an vorzufüttern, je nach Weißfischbestand verändere ich das Verhältnis von Partikeln zu Boilies. Wenn es zeitlich bei mir möglich ist, versuche ich bis zum ersehnten Ansitz das Füttern in regelmäßigen Abständen beizubehalten. Obwohl ich auch schon Erfolg ohne Vorfüttern hatte, da ich mittlerweile die Zug- und Fressruten der Fische kenne. Nach einer arbeitsreichen Woche voller Vorfreude aufs Angeln gehts ans Wasser. Da ich, wie beschrieben, die abgelegenen Stellen bevorzuge, ist ein Trolley Pflicht. Am Angelplatz angekommen, wird erst das Camp aufgebaut, was meiner Meinung nach nicht perfekt genug sein kann, um spätes Chaos in der Nacht zu vermeiden. Nach dem Aufbau beginne ich die Ruten zu beködern. Ich lege also die Montage im gestreckten Zustand mit ganzen und gecraschten Boilies und einer Hand voll Partikeln ins Futterboot und fahre an meinen vorher ausgesuchten Hotspot. Da ein reger Bootsverkehr herrscht, ist das Absenken der Schnur absolute Pflicht und ich habe eine bessere Schnurführung unter Wasser, was unauffälliger ist und zu einer besseren Bisserkennung führt. Meistens geht die von mir beschriebene Tatik auf. Je nach Jahreszeit muss man seine Köderwahl überdenken, da unsere Krabbenfreunde in sehr hoher Zahl einfallen, ich benutze dann eher süsse Sorten. Brassenplagen begegne ich mit größeren und gehärteten Boilies. Interessant ist es noch zu erwähnen, dass meistens die erste Rute den Fisch bringt, die Kanal aufwärts platziert ist, was vermuten lässt, dass die Fische sich in den meisten Fällen in eine Richtung bewegen, wenn sie auf Futtersuche sind. Mit das Wichtigste für mich ist über die vier Jahreszeiten sich dem Gewässer und den Fischen anzupassen, praktisch ihnen zu folgen.

   

Der Kanal beherbergt viele schöne Fische, meistens um die 20 Pfund, konnte aber auch schon Ü30 Fische überlisten, was zeigt, dass meine Taktik nicht falsch sein kann. Wünsche allen viel Glück und schöne Stunden am Wasser und nasse Matten!

Mit freundlichen Grüßen

Hendrik Rudat, B.Richi Tackle