In diesem Artikel will ich euch mal einen kleinen Einblick in meine Angelei am Fluss vermitteln. Ganz besonders das vergangene Jahr brachte mir viele neue Erkenntnisse über den Fluss. Dinge, die sonst immer funktioniert hatten und man schon als selbstverständlich erachtet hatte, wollten nicht mehr greifen. Das ist halt Angeln und macht die ganze Sache doch wieder interessant. Man sollte zu jeder Zeit wachsam sein, sich zur rechten Zeit auf sich verändernde Faktoren wie Wetter, Wasserstand, Temperatur und Schifffahrt einstellen um letztendlich dann doch die verdiente „Trophäe“ in den Händen über der Abhakmatte halten zu können.

Vorbreitung

Wie eigentlich in jedem Jahr bereitete ich meine ankommende Angelsaison in der kalten Zeit zwischen Dezember und März vor. Ziele wurden gesteckt, Stellen wurden gewählt und Arbeitsgeräte wie Ruten, Kleinmaterial, Schnüre wurden besorgt und erneuert. Rigs wurden gebunden und natürlich ganz wichtig; Futter wurde auf Vorrat gelegt. Alles musste fertig liegen damit ich mich ab März so ganz auf das Angeln konzentrieren konnte. Das ist eigentlich so meine Standardprozedur.

Für den Fluss bedeutete das im Klartext: Schwere Ruten von 13FT und einer Testkurve von 3,5Pfd, Rollen bespult mit einer 22er geflochtenen Hauptschnur und einer 60er Mono Vorschlagschnur. Sehr viele Gewichte von 170g bis 300g und jede Menge an vorgebundenen Rigs bestückt mit 2er,4er und 6er Wide Gape Haken als Stiff und Semi Stiff gebunden. Denn der Materialverschleiß durch die Packsteine wird sicherlich wieder sehr hoch sein. Als Futter sollten 2017 nur noch Boilies zum Einsatz kommen und keine Partikel wie z.B. Mais. Im letzten Jahr hatte ich durch den Einsatz von Mais sehr viele Weißfischaktivitäten (Döbel und Brassen) an meinen Plätzen. Dadurch, dass ich nur noch Boilies fischen wollte, hoffte ich dies natürlich zu minimieren. Zum Einsatz kam nur eine Kombi aus 15- und 20mm. Größer wollte ich nicht einsetzen, denn diese hatte ich in den letzen Jahren schon reichlich getestet und war der Meinung dass diese zu sehr von der natürlichen Nahrung abweichen würden und somit nur spärlich von den Karpfen wahrgenommen würden.

Für 2017 hatte ich mir vorgenommen, in zwei Gebieten, also auch nur an zwei Stellen aktiv zu fischen. Eine Stelle für das Frühjahr bis Spätsommer und eine Stelle für den Herbst.
Die Stellenwahl an Flüssen ist meines Erachtens das wichtigste. Man müsste sich im Klaren sein, dass man die Karpfen sowieso nicht lange an einen Platz binden kann. Denn diese sind lediglich nur auf der Durchreise. Sie sind nur kurz an einem Futterplatz. Somit ist es entscheidend, dass man einen Platz wählt, der auf ihrer natürlichen Fressrute liegt und dann mal hofft dass sie unser Futter auch als Nahrung wahrnehmen werden.

Für das Frühjahr bis zum Spätsommer hatte ich eine Stelle ausgewählt die in einem kleinen Waldgebiet lag. Flussseitig hingen lange Zweige weit über das Wasser und die Packsteine reichten bis fast an die Fahrrinne des Flusses mit gelegentlichen Aussparungen, der sandigen Boden hervorbrachte. In diesen Aussparungen wollte ich meine Montagen ablegen. Diese Stelle hatte ich ausgewählt weil sich natürliche Nahrung wie Muscheln und Kleinstlebewesen immer wieder an oder in den Steinen zu finden waren und zum anderen bedingt durch die Bäume und Sträucher sich hier so schnell keine anderen Angler einfinden würden. Denn die Stelle konnte man entweder mit dem Boot oder durch einen langen Fußmarsch erreichen.Hierbei leistete mein „Giant Truck“ Trolley sehr gute Dienste.

Die Stelle für den Herbst hatte ich so gewählt, dass ich in einem Gebiet fischen wollte, wo sich die Fische vor dem Winter sammelten und sich somit vermehrt aufhalten würden. In der Nähe befand sich ein Hafen für Sportboote und dadurch bedingt stand hier auch mehr Wasser unterm Kiel. Meiner Meinung nach ein Hotspot für Herbst und Winter.

 

Füttern und Angeln

 

Endlich war es soweit. Alles war vorbereitet und ich konnte mich so ganz auf das fischen konzentrieren. Anfang März fing ich an  alle 2 Tage 2,5Kg  Boilies zu füttern. Dies über einen Zeitraum von 2 Wochen. Dann wollte ich dort fischen gehen. Wohl dem Wissen, dass wir noch eine Wassertemperatur von unter 5 Grad hatten. Doch wollte ich es wagen. Ich war so heiß auf das fischen und wollte nur noch ans Wasser und so kam es wie es kommen musste. 2 Nächte gefischt und nichts als eine kalte Nase bekommen. Konnte ja auch nicht anders. Das Wasser war noch zu kalt und ich wusste auch dass das Schmelzwasser aus den Bergen auch noch kommen musste. Manchmal ist das so. Man möchte nur noch ans Wasser und ignoriert einfach feste Faktoren die das fangen unmöglich machen. Meinen nächsten Ansitz wollte ich nächstes mal bei besseren Bedingungen starten, aber trotzdem so ab und zu Boilies füttern. Nicht an festen Tagen sondern so ab und zu wenn es meine Zeit zulassen würde.

 

Nun war es schon wieder Mai. Die Faktoren um Fisch zu fangen wurden von Tag zu Tag besser und ich begann wieder mit 2,5Kg Boilies alle 2 Tage zu füttern und am Ende der Woche wollte ich wieder mal eine Nacht fischen. Nun musste doch mal was gehen. Im Jahr zuvor hatte ich Anfang Mai schon einige Karpfen an dieser Stelle überlisten können. Aber auch diesmal ging nichts mit den Karpfen.

 

 

Eine große Barbe und jede Menge Döbel waren meine Ausbeute. Über die Barbe konnte ich mich ja noch freuen, aber die Döbel waren doch schon eher lästig. Das ständige laufen und das wieder neu auswerfen war sicherlich nicht ganz unbeteiligt an meinem Misserfolg. Denn auch am Fluss sollte man sich ruhig verhalten, auch wenn es manchmal nicht so aussieht als ob dies hier nötig wäre. Denn es herrschte immer reges Treiben auf unseren Wasserstraßen. Aber unbekannte Geräusche würden die Karpfen nur zu schnell wieder verscheuchen.

 

Was war schief gegangen? Sollte ich zu viel gefüttert haben? Konnte nicht. Für den Fluss hatte ich noch sehr bedächtig gefüttert. Meine Vermutung war schlicht und einfach dass sich die Karpfen nicht an diesem Flussabschnitt aufgehalten haben.

Ich beschloss die Stelle, die ich für den Herbst vorgesehen hatte, jetzt schon zu beangeln. Ich war mir jetzt fast sicher, dass sich die Karpfen noch in dieser Region aufhalten würden, wo sie Überwintert hatten.Wieder mal fütterte ich nach der vorhergegangenen Prozedur und am Samstag ging es zum Fischen. In der Nacht war es dann endlich so weit.

 

 

Der erste Karpfen stellte sich ein. Kein Riese, aber dafür ein wunderschöner Spiegler. Bei der näheren Betrachtung meines so hart erkämpften Fanges sah ich, dass dieser noch ein paar Egel an der Unterseite des Bauches hatte. Nun war mir einiges klar. In dieser Saison ist alles

später. Denn Egel am Bauch bedeutet dass die Fische gerade erst aus ihrer Winterstarre kamen.

Okay, ein Fisch ist kein Fisch dachte ich mir, aber sicherlich schon mal ein Anfang. Montags auf der Arbeit nahm ich mir erst mal schnell ein paar Tage frei. Ich wollte nun soviel wie möglich in dieser Region angeln bevor die Karpfen diesen Abschnitt wieder verlassen würden.

Mein umgestalteter Plan ging auf und ich konnte ein paar schöne Fische überlisten.

 

 

Nun war es schon ende Juni. Ich wollte zwar noch eine Session in dieser Region fischen aber ich wusste auch dass sich die Fische demnächst in Bewegung setzen würden und diesen Bereich, bedingt durch den herannahenden Sommer, verlassen würden. Um effektiv zu angeln fütterte ich auch die Stelle, die ich eigentlich für meinen Saisonstart vorgesehen hatte. Sollte es so sein das ich nichts mehr fangen würde, könnte ich gleich in der nächsten Session umsatteln und hoffentlich gleich wieder im Spiel zu sein.

So kam es dann auch. Meine Bissanzeiger blieben die ganze Nacht ruhig und an dem darauf folgenden Wochenende verlies ich diese Region. Siehe da… In der ersten Nacht kamen dann die ersten Bisse. Ich war wieder im Rennen und bis Oktober konnte ich hier noch so einige schöne Flusskarpfen fangen. Vom schönen wildbeschuppten Spiegler bis hin zu den traditionellen wilden Schuppenkarpfen. Selbst einen Fisch den ich schon 2016 fangen konnte hatte ich hier wieder überlisten können.

 

Es war schon interessant. Man hatte Kilometerlange Wasserstrecken vor Augen und man doppelt einen Fisch. Schwer vorstellbar, aber es war so.

 

 

Ende Oktober plante ich dann noch eine Session mit Mike an meiner Herbststelle ein. Die Nächte waren auch schon recht kalt und ich war mir sicher dass sich die Fische schon wieder in dieser Region eingefunden hatten. Herbstzeit ist Futterzeit. Nicht kleckern sondern klotzen, und das taten wir dann auch und wir wurden belohnt!

 

 

Bedingt durch unseren schon lang geplanten Trip zum Riba Roja Staussee am Ebro im November war das die letzte Session in diesem Jahr für mich am Fluss. Aber ich komme wieder, gar keine Frage, und freute mich schon auf die neue Flusssaison 2018.

Was ich für mich aus meiner letzteren Saison gelernt hatte war das eigentlich nichts im voraus planbar war. Viel wichtiger war es, mobil zu bleiben und sich von mal zu mal auf Umwelteinflüsse, Wassertemperatur und Jahreszeit einzustellen und nicht blind darauf zu vertrauen, was im Jahr zuvor geklappt hatte, musste jetzt auch funktionieren.

Die Karpfen im Fluss sind niemals auf unser Futter angewiesen und fest an einem Futterplatz ließen sie sich sowieso nicht binden. Vielmehr war es wichtiger um ihre natürliche Fressrute zu finden und die verändert sich ständig.

 

In diesem Sinne

 

Heinz-Peter Boskamp/Team B.Richi Tackle