Es ist Samstagmorgen 5.00 Uhr als mein Wecker mich unsanft aus dem Schlaf reißt. Aber nicht wie sonst stehe ich direkt kerzengerade im Bett und bin hell wach. Immerhin ist heute ein besonderer Tag. Es soll für eine Woche auf Waller an die Mosel in Frankreich gehen. Schon Wochen vorher nutze ich das Internet um eine geeignete Stelle für diese Tour zu finden. Dabei fiel die Wahl auf einen schönen Altarm in der Umgebung von Metz. Nach einer Dusche und einer Tasse Kaffee starten meine Freundin, mein Hund und ich den ca. 500 km langen Weg nach Frankreich.

Die Platzverhältnisse im Auto könnte man als etwas beengend formulieren. Immerhin hatte ich am Abend vorher versucht, alle was man braucht in den kleinen Kombi samt Dachbox zu verstauen. Wer uns auf der Autobahn gesehen hat, dachte mit Sicherheit ehr an einen Umzug als an einen Angelurlaub für eine Woche. Die Fahrt verlief ruhig und so kamen wir nach ca. 4,5 Stunden endlich an dem im Vorfeld ausgesuchten Angelplatz an einem Altarm der Mosel in Frankreich an.

Mein Freund Armin erwartete uns bereits vor Ort. Er war schon einen Tag früher angereist. Geplant war zudem noch, dass zwei Tage nach meiner Anreise Frank aus Köln zu uns stoßen wird. Wir würden also eine lustige Truppe aus unterschiedlichsten Teilen Deutschlands werden. Als ich kurz nach meiner Anreise ein Gespräch mit Armin führte, erfuhr ich direkt eine nicht so gute Nachricht. Unsere im Vorfeld sorgfältig ausgesuchte Stelle schien ein Reinfall zu sein. So viel versprechend sie auch aussah, es tat sich nichts. Aber wer will da direkt aufgeben? Ich nicht! Immerhin heißt ein Grundprinzip in der Fischerei bei mir: Immer Positiv denken! Aber damit ich mein positives Denken in die Tat umsetzen kann, brauche ich erstmal die nötige Angelkarte.

Nachtangelzonen an der Mosel

Ich setze mich also direkt wieder hinter das Steuer und fuhr mit Armin zu einem nahe gelegenen Angelfachgeschäft. Die Verständigung gestaltete sich als etwas schwierig. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. So hatten wir fast 45 Minuten gebraucht, bis wir endlich die passende Angellizenz für mich hatten. Dabei sind in Frankreich einige Regeln für den Fischfang zu beachten. Der wichtigste Punkt ist wohl das bestehende Gesetz zum Catch & Release. Weiter besteht in Frankreich, an dem Teil der Mosel, ein Nachtangelverbot. Das heißt, man darf von einer halben Stunde vor Sonnenaufgang bis zu einer Stunde nach Sonnenuntergang mit vier Ruten fischen. Speziell für Karpfenangler gibt es einen so genannten Nachtangelbereich (Carp de Nuit). Dort ist aber nur das Fischen auf Karpfen in der Nacht erlaubt.

Der Raubfischangler (also auch der Wallerangler) hat in Frankreich die Möglichkeit mit lebendem Köderfisch zu angeln. Dieses ist sicherlich ein Vorteil im Gegensatz zu den Gewässern in Deutschland. Sicherlich gibt es noch mehrere Regelungen für das erfolgreiche Fischen in Frankreich, aber diese sind oft von Abschnitt zu Abschnitt unterschiedlich. Am besten man informiert sich im Vorfeld ganz genau über die Regelungen an seinem ausgewählten Bereich.

Mir kam dabei die Nutzung diverser Internetforen und ein Anruf bei deutschen Angelfachgeschäften nahe der französischen Grenze zu Gute. Sobald ihr euch mit den nötigen Informationen versorgt habt, solltet ihr diese Vorschriften auch am Wasser genaustes beachten. Die Kontrollen in Frankreich sind oft und streng. Teilweise drohen euch bei dem geringsten Verstoß hohe Bußgelder. So manch einer musste schon einen Monatslohn als Strafe für die Missachtung der Gesetze bezahlen. Immer diese Regeln im Kopf, fuhr ich mit Armin zu unserer Angelstelle zurück.

 

Wallerangeln kann zur Turtour werden

Kaum waren wir wieder am Wasser angekommen, blickte ich unweigerlich in meinen Wagen und mir wurde unweigerlich klar, dass es noch eine schweißtreibende Aktion sein würde, alles auszuladen und aufzubauen. Es nützte nichts. Mit vereinten Kräften luden wir den Kombi bei über 30 Grad im Schatten aus und bauten ein Teil nach dem anderen auf. Als alles erledigt war, verschwand auch die Sonne schon langsam hinter den Bäumen. Ich entschloss mich dementsprechend, den Angriff auf die Waller auf den nächsten Tag zu verlegen und versuchte nur noch ein paar Köderfische mit der Feederrute zu überlisten. Als die reguläre Angelzeit um war, fiel ich erschöpft auf meine Liege und schlief direkt ein.

Als ich am nächsten Morgen erwachte, schien die Sonne bereits mit voller Energie. Sicherlich hätte ich auch eher aufstehen können, aber mein Körper brauchte den Schlaf, um wieder vollkommen fit zu sein. Nach einer Tasse Kaffee montierte ich die Wallerruten und legte diese an der U-Pose aus. Voller Begeisterung warteten wir nun auf den ersten Biss. Nebenbei wurde weiterhin versucht, den Köderfischbestand aufzustocken. Aber es tat sich nichts. Nicht einmal die Brassen wollten mehr anbeißen. Unsere Stelle war wie ausgestorben, nur ein kleiner Sonnenbarsch verirrte sich irgendwie an meinen Haken. Nun musste etwas passieren. Ich beriet mich kurz mit Armin und wir beschlossen am Montagmorgen die Stelle zu wechseln, wenn wir bis dahin keinen Biss bekommen würden. Leider tat sich auch bis Montag nichts mehr.

Also hieß es am frühen Montagmorgen alles wieder abbauen um ca. 300 Meter weiter den Altarm hoch zu trage. Hier war die Grundstruktur wesentlich reizvoller. Als ich den riesigen Berg unserer Ausrüstung an der neuen Stelle erblickte, wurde mir klar, dass ich nun alles wieder aufbauen müsste, Also hatte dieser Urlaub wirklich nicht mehr viel von Erholung. Zähneknirschend machte ich mich erneut ans Werk und baute die Domes aus, verstaute die Liegen und Verpflegung und richtetet die Ruten erneut her. Nach zwei Stunden harter Arbeit stand alles wieder an Ort uns Stelle und das Chaos war beseitigt. Nun hieß es die neue Stelle mit dem Echolot zu erkunden und die Montagen erneut herauszubringen. Das Echolot zeigte uns hierbei eine abwechselungsreiche Bodenstruktur.

So fanden wir flache Bereiche um die drei Meter Tiefe und direkt dahinter Löcher mit einer Tiefe von bis zu zehn Metern. Wenn man beim Erkunden des Gewässers und den Ausbringen der Montagen als Team arbeitet, gestaltet sich dies enorm einfacher, als wenn man als Einzelkämpfer fungiert. Nachdem alle Montagen wieder an Ort und Stelle lagen, bissen die Brassen auch wieder und der Köderfischvorrat stieg an.. Die Wallerruten blieben weiterhin ohne Aktion und uns überkam dieses komische Gefühl wieder ohne Biss den Tag zu beenden. Als wird die erste Rute aus dem Wasser nahmen, kam es aber anders als wir gedacht hatten.

Mit U-Pose auf Waller

 

An Armins letzter noch im Wasser liegender U-Posen-Montage gab es Bewegung. Die Rute schien fast aus den Rutenständern zu springen. Direkt wurde ein kräftiger Anhieb gesetzt und der erste Waller unserer Tour hing am anderen Ende der Schnur. Der Fisch war schnell gelandet und maß 1,39 Meter. Sicherlich kein Riese, aber dennoch hofften wir, dass der Fluch endlich gebrochen sei. Wie es in Frankreich ja Pflicht ist, wurde dieser Fisch schonend in sein nasses Element zurückgesetzt. Nach diesem Fang konnten wir uns endlich mal mit einem breiten Grinsen in den Gesichtern zur Ruhe begeben und auf die Aktionen der nächsten Tage hoffen.

Der nächste Morgen war recht kühl und wir standen gegen 5.30 Uhr am Wasser, um unsere Montagen erneut auszulegen. Als wieder alle Ruten beködert und ausgelegt waren, hieß es wieder warten. Gegen Nachmittag erschien dann Frank aus Köln. Nach einem kurzen Gespräch bezog er mit zwei Freunden eine Angelstelle 200 Meter von uns entfernt. Dieser Tag verlief leider wieder ohne einen nennenswerten Biss. Lediglich einige Attacken auf unsere Köderfische waren zu verzeichnen. Dieses zeigte uns zumindest, dass die Waller vor Ort waren. Ein weiteres Übel an diesem Tag was das enorme Treibgut auf dem Altarm.

Es kamen teilweise Treibgutfelder von drei mal fünf Meter vorbei, die natürlich in unseren Schnüren hängen blieben. Wir hatten alle Hände voll zu tun und mussten immer wieder mit dem Boot heraus, um die Schnüre von den Massen an Treibgut zu befreien. Somit entschloss ich mich am nächsten Tag alle Ruten auf Bojenmontagen umzubauen. Ich erhoffte mir so, möglichst wenig Schnur im Wasser zu haben, an denen sich das Treibgut verfangen könnte. Aber bis dahin war ja noch etwas Zeit und wir begaben uns erneut auf unsere Liegen.

Die folgende Nacht wurde von einem heftigen Gewitter und Platzregen begleitet. So war es nicht verwunderlich, dass ich am nächsten Morgen vor meinem Dome stand und vor lauter Nebel nicht einmal das gegenüberliegende Ufer sehen konnte. Wir legten wie jeden Tag erneut unsere Montagen aus und warteten wieder. Diesmal kam der erste Biss schon in den Morgenstunden und ich konnte einen kleinen Waller von ca. 1,20 Meter überlisten. Mein erster Mosel Waller!

Der Nebel verzog sich langsam und die kräftigen Strahlen der Sonne trieben die Temperaturen wieder in die Höhe. Man wusste nie genau was man anziehen sollte. Mal war es kühl und in den nächsten Stunden hätte man nur in Badehose in seinem Stuhl sitzen können. Also waren nicht nur die Waller launisch, sondern das Wetter auch.

So vergingen auch die darauf folgenden Tage. Das Wetter war wechselhaft und die Waller bissen vereinzelt auf unsere ausgelegten Köder. Ralf, ein Freund von Frank, hatte das Glück einen guten Waller von 1,70 Meter zu fangen. Dieses sollte auch zugleich der größte Fisch unserer Tour sein. Die wechselnden Bedingungen und das viele Treibgut forderten uns immer wieder aufs Neue heraus. Es war also alles andere als einfach, Herr der Lage zu werden und zudem noch einen Fisch zu überlisten.

Als die letzten zwei Tage anbrachen, schien es so, als sollten wir endlich einmal Glück haben. Das Treibgut war verschwunden und es wurde eine erholsame Angelrunde. Aber da hatten wir uns wohl zu früh gefreut. Kaum war das Kraut verschwunden, kämpften wir gegen die Boote in dem Altarm. Es sei dazu gesagt, dass der Altarm eine Sackgasse für die Schifffahrt ist. Aber dennoch fuhren immer wieder Boote in diesen Altarm. Ein Großteil der Bootführer nahm Rücksicht auf unsere Bojenmontagen und umfuhr diese so gut es ging.

Die Zeit war reif für einen Wallerbiss …

Aber auch hier gab es welche, für die das Wort Rücksicht ein Fremdwort war. Das ein oder andere Mal steuerte einer dieser Hobbykapitäne mit voller Fahrt auf unser Bojen zu und ignorierte unsere Handzeichen. So waren wir gezwungen, schnell die Reißleinen zu sprengen und die Montagen einzuholen. Wer möchte schon seine komplette Schnurfüllung in einer Schiffsschraube verlieren? Sicherlich sind solche Sachen ärgerlich, aber Sie gehören dazu, wie der Köder an den Haken. Ein Gutes hatte der Donnerstag, trotz Bootsverkehr und extremer Hitze konnten wir rege Aktivität der Fische vernehmen.

Immer wieder wurden unser Köder attackiert. Doch keiner wollte beherzt zupacken. Um 21.40 Uhr holten wir die Ruten ein, als Armin optimistisch zu mir sagte er würde gleich bestimmt noch einen Biss auf die letzte Rute bekommen. Ich musste kurz lachen, doch keine fünf Minuten später wurde ich eines Besseren belehrt. Armin stand am Ufer und drillte seinen zweiten Waller. Unglaublich!

Zu Beginn war der Drill des Wallers eher träge, aber an der Uferkante zeigte er uns sein Können. Immer wieder flüchtete er und ich kam nicht darum herum. Meine erste Handlandung eines Wallers stand bevor. Also ab auf das angeleinte Boot und die Handschuhe angezogen. Armin führte den Fisch neben das Boot und ich gab dem Bartelträger einen Klaps auf den Kopf, worauf er erneut seine letzten Kräfte mobilisierte. Diesen Klaps schien er mir übel genommen zu haben. Jedenfalls machte er mich mit einem kräftigen Schlag seines Schwanzes klitschnass.

Danach waren aber auch seine Kräfte am Ende und ich landete den Fisch von 1,55 Meter sicher. Diese Landung hatte es für mich als Neuling im Wallerfischen in sich. Bestimmt kann sich noch jeder gut an das Gefühl erinnern, mit dem er einem solchen Fisch das erste Mal ins Maul gegriffen hat. Nachdem wir den Fisch versorgt und wieder in sein nasses Element entlassen hatten, gönnten wir uns eine Portion Schlaf.

Die Tage vergingen wir im Fluge und es war auf einmal Freitag. Der letzte Tag, an dem wir noch einmal die Chance auf einen kapitalen Waller haben würden. Wir versuchten alles, aber ohne Erfolg. Man kann sein Glück eben nicht erzwingen. So bleib uns leider nicht anderes übrig, als die Ruten nach Sonnenuntergang aus dem Wasser zu nehmen und schon einmal zu beginnen, das Lager abzubauen.

Wallerangeln an der französischen Mosel

 

Am Samstagmorgen schlief ich erneut etwas länger. Ich wollte fit für die 500 Kilometer Rückweg sein. Noch schnell eine Tasse Kaffee nach dem Aufstehen und dann ging es wieder ans Werk. Alles abbauen und im Wagen verstauen. Dabei vergingen wieder Stunden, bis die Angelstelle geräumt und sauber war. Zum Schluss standen Armin und ich an dem Altarm und ließen unsere Blicke über dieses wundervolle Gewässer gleiten. Frank war schon einen Tag vor uns abgereist. Wir ließen die Woche Revue passieren und konnten auf 7 Waller zwischen 1,20 Meter und 1,70 Meter zurückblicken. Sicherlich kein Traumergebnis für eine Woche mit 4 Anglern, aber dafür hatte diese Tour ihren ganz besonderen Reiz. Zudem kommen dann noch der ganz eigene Charme Frankreichs und die Freundlichkeit der Franzosen vor Ort hinzu. All diese Punkte sind für mich ausschlaggebend, um sagen zu können, dass ich sicherlich noch oft an dieses Gewässer kommen werde. Vielleicht klappt es ja auch dann mit dem lang ersehnten Mosel-Waller über 2 Meter.

Zum Schluss bleibt noch zu sagen, das wir eine Woche mit Höhen und Tiefen hinter uns haben. Wer an diesem Gewässer fischen möchte, wird sicherlich tolle und einmalige Stunden erleben. Vorzugsweise fischten wir dort die klassische Bojenmontage oder U-Posen Montage. Man sollte sich nur im Vorfeld im Klaren darüber sein, das es nicht immer leicht ist, hier auch einen Fisch zu fangen. Ob Treibgut oder reger Bootsverkehr. Wer diese kleineren Probleme in Kauf nimmt, wird sicherlich einen schönen Angelurlaub an der Mosel in Frankreich erleben.

In diesem Sinne – Viel Spaß an den Gewässern Frankreichs

Norbert van Dijk
Team B.Richi