Es gibt viele Gewässer um die sich viele Mythen und Geschichten drehen. So ist auch der Bleibtreusee bei Köln immer wieder im Gespräch. Leider sind die ganzen Geschichten rund um dieses Gewässer nicht immer positiv. Auf diversen Internetseiten und bei einigen Gesprächen mit anderen Anglern hört man dort die wildesten Geschichten.

Die ganze Palette ist dort vertreten. Egal ob zerstochene Autoreifen oder handgreifliche Auseinandersetzungen unter Anglern. Positiv fällt dieser schöne See nur durch seine kapitalen Karpfen bis 60 Pfund auf. Ich selber befische mit einigen Freunden aus dem Kölner Raum dieses Gewässer nun schon seit einiger Zeit in unregelmäßigen Abständen. An dieser Stelle möchte ich über meine eigenen Erfahrungen berichten. Vorab sei schon erwähnt, dass dieses Gewässer dabei gar nicht so schlecht weg kommt, wie sein Ruf unter einigen Anglern ist.

Geschichte des Bleibtreusees!

Der Bleibtreusee ist ein ca. 74 ha großer und bis zu 12 Meter tiefer See, der aus dem ehemaligen Braunkohleabbau in dieser Region entstanden ist. Er liegt mitten im Naturpark Kottenforst – Ville in der Nähe von Köln / Brühl. Dieses ist eine riesige grüne Oase und Naturschutzgebiet mit vielen Seen und Wäldern. Gerade der Bleibtreusee sticht unter der Vielzahl an Gewässern in diesem Bereich durch sein enormes Potential an kapitalen Karpfen heraus. Aber nicht nur unter Karpfenanglern aus ganz Europa ist dieser See bekannt. Er gilt zudem als ein wahres Paradies für Raubfischangler.

Das Durchschnittsgewicht der Karpfen in diesem Gewässer liegt bei ca. 25 bis 30 Pfund. Die 40 Pfund Marke kann aber jederzeit geknackt werden und Karpfen bis 60 Pfund sind in jedem Fall vorhanden. Neben den Schuppen- und Spiegelkarpfen kommen auch kapitale Graskarpfen bis über 50 Pfund vor. Wer diese Gewichte nun hört der wird sicherlich gleich an ein Paradies für uns Karpfenangler erinnert. Aber wer jetzt denkt es sei ein Kinderspiel hier den ersehnten Traumfisch zu fangen, der irrt sich. Das Gewässer gilt als allgemein schwer zu befischen. Dieses hat sicherlich unterschiedliche Faktoren.

Ohne Trolley geht (fast) nichts

Die erste Erschwernis am Bleibtreusee ist sicherlich der Transport seiner Ausrüstung zum Angelplatz. Es stehen am See einige Parkplätze zur Verfügung aber diese liegen nicht immer unmittelbar an den von uns so begehrten Angelstellen. Oft ist ein langer und mühsamer Fußmarsch erforderlich. Wer nun über einen guten und stabilen Trolley verfügt, der hat es sicherlich etwas leichter, was aber nicht heißt, dass er ganz auf Muskelkraft und Schleppen verzichten kann. Rund um den See ist ein gut ausgebauter Weg angelegt über den man annähernd in die Nähe seines gewählten Platzes gelangen kann. Da der See, wie vorher schon erwähnt, eine ehemalige Braunkohlegrube ist sind die meisten Ufer steil. Man muss also zum Schluss seine gesamte Ausrüstung diese steilen und oft sehr engen Abhänge hinunter tragen. Sollte einer auf die Idee kommen mit seinem voll beladenen Trolley diesen Abhang hinunter zu rollen, so kann ich hiervon nur abraten. Die geplante Angeltour wird dann unter großer Wahrscheinlichkeit eher im Krankenhaus wie am Wasser stattfinden.

Ein weiteres Transportmittel für seine wertvolle Ausrüstung ist das gute alte Boot. Am besten eignet sich hierzu das Schlauchboot, da man es schnell am Ufer aufbauen kann. Hiermit paddelt man nun sein gesamtes Equipment vom Ufer (Wathose ratsam) über den See an die gewählte Stelle. Aber auch hier entfällt die erschwerende Schlepperei nicht. Immerhin muss ja alles irgendwie vom Auto zum Boot gebracht werden. Also heißt es wieder Muskeln angespannt und angepackt. Hier merkt man wirklich warum unser Hobby Angelsport heißt.

Sobald man alles an seiner Angelstelle gebracht hat und mit dem Aufbau beginnt fällt einem meistens direkt etwas auf. Glasklares Wasser! Man kann metertief bis auf den Gewässergrund schauen. Dieses glasklare Wasser ist sicherlich für die Tarnung unserer Montagen nicht optimal, bringt aber auch seine Vorteile mit sich. Aufgrund eines sehr starken Wasserpflanzenbewuchses des Sees in den Sommermonaten ist es oft schwer einen passenden Spot zu finden.

Ich möchte gar behaupten, dass ein Anwerfen der Spots fast immer irgendwo in einem Krautfeld landen wird. Hier sind wir also wieder auf die Hilfe eines Bootes oder eines Futterbootes (am besten mit Echolot) angewiesen um freie Stellen am Gewässergrund zu finden. Die Suche kann per Echolot erfolgen oder durch die freie Sicht auf den Gewässergrund. Die gesamte Bodenstruktur ist sehr abwechselungsreich. So kommen eintönige Bereiche, die einer Badewanne gleichen, genauso vor wie wahre Unterwasser Berglandschaften.

Angeln am Bleibtreusee

Die Montagen und Rigs am Bleibtreusee sind nicht anders wie an anderen Gewässern. Wer weit vom Ufer entfernt fischt (und das ist oft der Fall) sollte ein Bleigewicht um die 130 gr. und eine geflochtene Hauptschnur nutzen.

So bekommt man die Schnur optimal gespannt und die minimierte Dehnung der geflochtenen Schnur zeigt uns einen Biss genauer an. Aber nicht nur weit draußen sind die Karpfen zu finden. Wir hatten immer wieder gute Erfolge im direkten Uferbereich. Gerade in der Dämmerung kommt es hier zu vermehrter Aktivität der Fische.

Besonders überhängende oder im Wasser liegende Bäume sind immer einen Versuch wert. Aber Vorsicht, die Karpfen verstehen ihr Handwerk und flüchten oft in die Bäume, was meistens den Verlust zu Folge hat. Eine Montage die sich bei mir als sehr erfolgreich herausgestellt hat, ist das klassische Anbieten von Pop Up Boilies. Gerade im Frühjahr biete ich diese gerne über den flachen, gerade erst wachsenden Teppich aus Wasserpflanzen an. Ich weiß nicht wieso, aber die Farbe Pink hat sich hier als Favorit herauskristallisiert.

Ebenfalls sind fischige Aromen immer wieder erfolgreich. Das Futter für meine Spots setzt sich aus diversen Partikeln wie Tigernüsse, Hanf, Green Carp Beans, Wicken, Melasse Pellets, Mais, Brotfrucht, Erbsen und anderen Anteilen zusammen. Diesem Partikelmix gebe ich noch einige Boilies (ganz oder zerkleinert) hinzu. Es sei hierzu aber gesagt, dass es keinen Masterplan für den Fang eines Kapitalen gibt. Die Karpfen dürften aufgrund der Vielzahl an Karpfenanglern schon jede Montage, jedes Rig und jeden Köder gesehen haben. Wer hier etwas Experimentierfreudig ist und Abwechselung ins Spiel bringt, der wird sicherlich auch seinen Erfolg haben.

Naherholungsgebiet Bleibtreusee

Natürlich sind wir Karpfenangler an diesem Gewässer nicht alleine. Im nördlichen Teil des Sees ist eine Wasserskianlage aufgebaut, was diesen Bereich für uns ehr unattraktiv macht. Aber auch Windsurfer, Taucher, Badegäste, Mountainbiker, Spaziergänger und sämtliche Sportfreaks trifft man hier an. Alles was sich an Land aufhält lässt uns Angler meistens in Ruhe, da wir abseits des Rundweges sitzen. Ein Problem könnten nur die anderen Wassersportler darstellen, da sich sicherlich unsere Wege irgendwann einmal kreuzen.

Aus diesem Grund ist der Bleibtreusee in einzelne Bereiche aufgeteilt Eine Information findet man auf einigen Hinweisschildern rund um den See (Ökozone darf befischt werden!). So ist für jeden ein eigener Bereich vorhanden. Wer sich dennoch in den Bereich der anderen Wassersportler setzt und fischt (was nicht verboten ist), der muss sich nicht wundern wenn irgendwann einmal zwei Taucher den Futterplatz unter die Lupe nehmen oder der Windsurfer über unsere Marker fährt.

Ich denke wie an allen anderen Gewässern ist hier ein gesunder Menschenverstand und eine gegenseitige Rücksichtnahme selbstverständlich. Persönlich hatte ich noch keine Probleme an diesem Gewässer. Die Taucher habe ich als freundlich kennen gelernt und man kann ihnen auch den einen oder anderen Tipp der Unterwasserwelt entlocken. Immerhin wissen sie genau wie es dort unten aussieht.

Lediglich einige zwielichtige Gestalten die meistens gegen Abend den See besuchen waren mir nicht so ganz geheuer. Aber getan hat mir bis heute keiner von denen etwas. Vielleicht lag es auch daran das ich bis heute nie alleine dort war oder mein Hund mich ständig begleitet hat. Ich bin aber der Meinung, dass wir Angler an diesem See ein recht ruhiges und entspanntes Leben haben können, wenn man die Hauptanlaufstellen wie Badestrand oder Liegewiesen meidet. Das einzige was nervig werden kann, sind die Mücken im Sommer oder die Bisse der teilweise kapitalen Brassen. Aber wer damit nicht umgehen kann, der sollte sich vermutlich ein anderes Hobby suchen.

Bleibtreusse – ein Mythos?

Für mich hat der Bleibtreusee seinen ganz eigenen Charme und keine der gehörten Geschichten kann ich bis heute bestätigen. Meine Reifen am Auto waren immer prall gefüllt und für den Heimweg bereit und Auseinandersetzungen konnte ich auch noch nie erleben.

Der Bleibtreusee birgt für mich ein großes Potential an kapitalen Karpfen und ist sicherlich eine gute und nicht zuletzt günstige Alternative zu den Seen in Frankreich. Wer sich hier ruhig und angemessen verhält hat keinerlei Probleme und jederzeit die Chance auf den Traumfisch. Man fängt hier nicht viele Fische, aber dafür kommen diese in recht ordentlichen Gewichten vor. Unsere Fänge lagen zum größten Teil um die 30 Pfund. Aber auch kleine Karpfen (Satzkarpfen) gehen immer wieder an den Haken.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei meinem Freund Michael Triemer aus Köln bedanken. Er hat mir den See ans Herz gelegt und ist immer mit Rat und Tat zur Stelle. Es ist wirklich ein großer Vorteil gewesen einen ortskundigen Angler mit an seinem Angelplatz zu haben, der das Gewässer genau kennt. Aus diesem Grund gebe ich auch mit diesem Bericht gerne meine Erfahrungen an andere Karpfenangler weiter. Hoffentlich kann ich euch dadurch helfen den lang ersehnten Traumfisch zu fangen. Aber man sollte nie vergessen, dass jeder seine eigenen Methoden und Tricks hat. Entweder man liebt den Bleibtreusee oder man hasst ihn!

In diesem Sinne – viel Spaß an diesem schönen Gewässer

Norbert van Dijk
Team B.Richi

Quelle: Carp Connect – Ausgabe 47


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