Wird es immer mehr zur Mode, anderen Karpfenanglern die gefütterten Plätze streitig zu machen?! Gibt es nur noch Neid und Missgunst?! Kann man sich nicht mehr unterhalten und absprechen und etwas Rücksicht aufeinander nehmen?!

Da meine Zielfischjagd im Frühjahr wirklich beschissen lief und ich aufgrund dessen in diesem Jahr auch noch nicht viele unserer Freunde über den Kescher führen durfte, entschloss ich mich in meinem 2 wöchigen Frühjahrsurlaub eine Nacht an einem unserer schönen ostfriesischen Kanäle zu fischen der einen guten Karpfenbestand aufweist um auch mal wieder ein bisschen Motivation zu tanken. Gesagt getan, ich suchte mir eine Stelle an der wenig bis gar kein Angeldruck herrschte und wenn, dann eher von Aalanglern die ein paar hundert Meter weiter ab und an mal ihren Ansitz machten. Von Karpfenanglern war an dem Spot nach meinen Informationen noch nichts zu hören, was man auch an dem unberührten Uferbewuchs aus Brombeeren und Brennnesseln ausmachen konnte. Gerade diese genannten, für den Angler nicht so gemütlichen Pflanzen gaben für mich auch mit den Ausschlag, die Stelle auszuwählen, da ich ziemlich sicher sein konnte, dass sich dort kein anderer Karpfenangler hinsetzen würde. Ich lotete etwas und befand den  Spot für gut. Bis zu meinem geplanten Ansitz hatte ich noch genau 6 Tage. Also Futter bei die FischeJ. Ich bin jeden Abend gegen 21:30Uhr zum Füttern gefahren um das Risiko neugieriger Blicke etwas zu minimieren. Am Abend vor meinem geplanten Ansitz sah ich einen schwarzen Mercedes Kombi über die nahgelegene Brücke fahren an der ich auch leider mein Auto parken musste. Ich hatte in dem Moment schon ein komisches Gefühl und das sollte sich am drauffolgenden Tag bestätigen.

Voller Motivation packte ich am Angeltag mein Auto und fuhr schon früh am Nachmittag zu meinem gefütterten Platz, dann der Schock! Auf „meinem“ Parkplatz standen zwei Autos, einer davon ein Mercedes Kombi, Rückbänke umgeklappt und ein paar hundert Meter weiter sah ich die beiden jungen Kerle schon sitzen. Super dachte ich mir, läuft ja mit. Ich war innerlich am durchdrehen. Ich musste mich zusammenreißen um mich normal mit den Anglern zu unterhalten, ich fragte wie sie gerade auf diese Stelle gestoßen sind und sie erzählten mir das sie hier schon seit 10 Tagen gefüttert haben und damit hatten sie sich schon selbst ins Bein geschossen, definitiv war der Platz bei meiner ersten Besichtigung unberührt und die war vor 7Tagen, keine Spur davon das überhaupt schon jemand das Land mit dem hohen Gras  bzw. den Uferbereich betreten hat und dann sitzen die Jungs dort auf einem Donnerstag, an dem Tag an dem ich dort ansitzen möchte, wo noch nie ein Karpfenangler seinen Hintern hinbewegt hat? Zudem unterstelle ich den beiden einfach mal, die haben mich beim Füttern gesehen und sich dort stumpf an den Platz gesetzt, hätten die beiden auch gefüttert, wäre mit das definitiv aufgefallen und ich hätte einen Trampelpfad durchs hohe Gras gefunden, die Ufervegetation wäre platt gewesen und der Mercedes den ich am Abend zuvor gesehen habe, würde jetzt nicht bei der Brücke stehen und man merkte das sie ihre Aussage: „Wir haben hier schon zehn Tage gefüttert“, selber nicht ganz glauben konnten.

Was mich im Nachhinein in meiner Vermutung noch bestätigt hat, einem guten Bekannten ist das Gleiche mit den beiden Jungs passiert, allerdings an einer etwas belebteren Stelle aber das Prozedere war das Gleiche, er wurde vom „Mercedes“ beim Füttern gesehen und einen Tag später stand der Mercedes auf „seinem“ Parkplatz und die beiden Jungs saßen auf seiner gefütterten Stelle. Vielen Dank.

Es nützte ja nichts, die Stelle war besetzt, ich gab den Jungs zu verstehen das ich ihnen das definitiv nicht abgekauft habe mit dem zehn Tage füttern und appellierte dabei auch etwas an ihre Ehre und dabei merkte man schon ein wenig Reue die aber wohl nach zehn Minuten wieder verflogen war.

Was blieb mir anderes übrig, ich setzte mich instant an eine Stelle an der ich in anderen Jahren im Frühjahr auch schon gute Fische gefangen hatte. Natürlich mit einem sauschlechten Gefühl, im Frühjahr, instant am Kanal. Ich rechnete mir keine guten Chancen aus. Nach dem ganzen Stress war es mir aber auch egal, ich wollte nur noch schön an der frischen Luft unter meinem Brolly schlafen und etwas entspannen, wenn was ans Band kommt ist es gut, wenn nicht habe ich wenigstens eine erholsame Nacht an der frischen Luft gehabt. Und was soll ich sagen, ich konnte zwei klasse Fische über den Kescher führen und Fettbert ( mein Labbi Odie) und ich durften noch einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben und das Gekreische der Nilgänse, die sich in der Gegend einfanden, genießen. Vielleicht hat es alles so sein sollen?!

Natürlich kann es passieren, dass man am Angeltag an „seinen“  Platz kommt und es sitzt dort jemand. Egal ob am See oder am Kanal oder sonst wo. Das ist mir auch schon ein paar Mal passiert und wenn man mit den Leuten spricht, merkt man schon ob es Zufall oder Absicht war und sowas wird auch immer wieder vorkommen und ist zwar ärgerlich aber gehört zum fischen halt auch dazu und ist von den meisten ja auch nicht beabsichtigt. Was ich aber echt ätzend finde, sind die sogenannten „Platz – Piraten“ die einfach keine Lust haben sich selber Gedanken zu machen, sich Plätze zu erarbeiten. Sogar bei Facebook fragen, wie muss ich an dem See vorgehen, welche Boilies fangen da, welches Rig kann ich dort am besten fischen usw. Karpfenangeln ist weit mehr als sich alle Infos zu „ergaunern“, man muss sich auch selbst was erarbeiten und das ist doch auch gerade das was dazu gehört, auch mal ne Blanknacht hinlegen und vielleicht daraus Schlüsse zu ziehen und sich selbst zu verbessern, man lernt nie aus und Angler die von sich selber behaupten, sie wüssten alles, liegen einfach falsch, denn keiner ist allwissend und man lernt eben wirklich nie aus!

Ich würde mir für die Zukunft wünschen, wenn es etwas mehr Respekt und weniger Neid und Missgunst unter den Karpfenanglern geben würde. Und mit Respekt meine ich auch, wenn man weiß, ein Platz wird von einem anderen Karpfenangler gefüttert dann setze ich mich dort nicht einfach hin sondern akzeptiere es, spreche vielleicht mit demjenigen und füttere nach seinem Ansitz in Absprache dort einfach weiter. Es sind mittlerweile so viele Menschen am Wasser und meiner Erfahrung nach, fährt man langfristig mit etwas Rücksicht und Respekt besser, als mit Egoismus und Neid. Ich kann hier noch 10 weitere Seiten über dieses Thema schreiben aber vielleicht ist der Appell dieser kleinen Story etwas rübergekommen und wenn nicht, hoffe ich es war trotzdem ein bisschen unterhaltsam J In diesem Sinne schöne Grüße aus Ostfriesland von Krulli und Fettbert ( Fettbert und ich gehen jetzt erstmal andere Leute beim Füttern beobachten J )