Über die Karpfenjagd an Flüssen hat bereits so mancher geschrieben, jedoch bleiben manche entscheidenden Details gerne unerwähnt. Nach einem frühzeitig abgebrochenen Ansitz an einem Baggersee besuchte ich einen Freund, der eine kurze Nacht an der Weser machen wollte. Fischgewichte bis 25kg reizen ja jeden von uns und so blieb ich auch eine Nacht. Kurz mit dem was ich dabei hatte (300g Inliner, Monovorfach) umgebaut und raus. Meine restlichen Boilies und das Hundefrühstück trafen ca. 20 Meter stromaufwärts meiner Montagen auf die Wasseroberfläche.

Gegen sechs Uhr morgens musste mein Freund zur Arbeit. Während wir Kaffee tranken, ging langsam die Sonne auf und Nebelschwaden bildeten sich auf dem Wasser. „Immer muss ich zur besten Beißzeit weg. Meistens kommen hier die Bisse genau …….“ Genau in diesem Moment kreischte mein Bissanzeiger los. Die Rute riss sich aus der Ablage und hing nur noch mit der Rolle vor meinem Falcon. Ich bekam sie zwar noch zu greifen, aber da war der Fisch schon in der gegenüberliegenden Steinpackung angelangt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge konnten wir nur noch sagen „Das war ein guter!“, das Vorfach war sauber von den Steinen durchgeschnitten.

Die darauf folgenden Monate verbrachte ich fast ausschließlich an der Weser und mit dem Rollen von Boilies. Ich war in dieser Zeit der Verzweiflung nahe. Ich lernte viel dazu, aber der Erfolg ließ auf sich warten. Nur eine Hand voll kleiner Flusskarpfen in der Größe „Ideal Standart“ landeten im Kescher.

Das größte Problem stellten Hänger in der Steinpackung dar. Schwimmend oder im Boot bekommt man zwar fast alles wieder los, doch für kurze Nächte war dies zu aufwändig. Ich löste das, indem ich ganz gegen meine Überzeugung wieder zum LeadClip zurückkehrte, den Wirbel des Bleis abknipste und dieses nur mit einer Büroklammer am Clip befestigte. So konnte ich fortan jeden Hänger lösen. Auch dem Monovorfach schwor ich ab und benutzte ausschließlich Quicksilver Gold von Kryston. Das zweite Problem war die Schifffahrt.

Schließlich kehrte ich im Spätherbst an das Teilstück (ohne Schifffahrt) der Weser zurück, in welchem ich bereits als Kind mit meinem Vater auf Barben angelte.

Ich wählte wieder die altbekannte Innenkurve aus und fischte möglichst parallel zur Strömung vor und hinter Buhnenköpfen.

Es passierte mal wieder nichts. Am Abend des zweiten Tages hatte ich grade mein Abendbrot fertig als ein Fischereiaufseher vor meinem Zelt stand und mich bat das Auto umzuparken. Ich unterhielt mich eine Weile mit ihm, wärmte mein Essen wieder auf und ging viel zu spät schlafen. Es wurde eine kurze Nacht.

>Einzelne Pieper weckten mich. Ich hatte am Vortag zwei gute Barsche auf weiße PopUp´s gefangen und genau die Rute war es wieder. „Sch… wieder son Lulli!“ Das stimmte nicht. Es lag ein vollgefressener 15kg Spiegler auf der Matte.
Kurz darauf biss noch ein großer Graser, der leider kurz vor dem Kescher ausstieg.

Bei einer weiteren kurzen Nacht auf diesem Platz konnte ich zumindest noch einen 12kg Spiegler überlisten.

So waren fast alle Frustrationen der vorigen Wochen vergessen und ich weis genau, dass ich weiter nicht die Finger von diesem Wasser lassen kann.

Kai Jürgens
Team B.Richi