Im Herbst 2011 beginnt diese kleine Geschichte. Ich lag mit Buch, Erdnüssen und ner Coke bewaffnet auf meiner Liege und wartete und wartete. Bereits seit Wochen wurden die Bisse an diesem Wasser immer seltener. Oftmals bekam ich nur noch einzelne Piepser aber keinen Fisch. Ich hatte „wie üblich“ einen Köder auf einem lehmigen Plateau in der Nähe eines Förderbandes in diesem Baggersee abgelegt und einen zweiten Köder unter überhängendem Astwerk am gegenüberliegenden Ufer. Seit Monaten hielt ich bereits beide Plätze unter Futter und hatte oft genug die Problematik eines Doppelruns gehabt. Was lief jetzt falsch?

Ich entschied mich systematisch meinen Rig-Aufbau zu verändern. Am nächsten Wochenende war ich wieder am See. Die alten Rig´s waren in der Tonne gelandet und schnell waren neue gebunden. Bis jetzt war es praktisch immer der Anti Snag (oder vergleichbare Modelle) ohne allen Schnick Schnack gewesen. Nun veränderte ich dies auf einen Classic Boilie Hook mit etwas Schrumpfschlauch hier und etwas Silicon da.

Die Vorfachlänge und das Bleisystem veränderte ich nicht, um zu überprüfen, ob eine Veränderung und wenn, welche den Fangunterschied bringen würde. Der Unterschied war da. Am nächsten Morgen fotografierte mich ein Bekannter, wie ich strahlend einen makellosen Schuppi von 19,2 kg hochhielt.

Leider blieb dies der letzte Fisch für 2011, da ich mich nicht nur in meiner Angelei, sondern auch in meinem Privatleben veränderte. Ich zog mit meiner Freundin zusammen und war den gesamten Winter mit Renovierungsarbeiten beschäftigt. Weiterhin sorgte meine Arbeit dafür, dass ich nur mit meiner DropShot Rute stundenweise an das Wasser kam.

Erst im April 2012 schaffte ich es wieder an den See vom Vorjahr. Ich probierte wieder einiges sinnvoll zu verändern und hatte wieder Erfolge zu verzeichnen. Zunächst waren es Fische bis 17 kg, welche im Kescher landeten aber mein Tag kam. Am 4. Mai um 8:30 Uhr morgens rief ich einen Freund in seiner Bäckerei an und sagte ihm, er solle sich gleich in sein Auto setzen und was zum Anstoßen mitbringen. Als ich ihm dann noch sagte, aus welchem Grund er 40km fahren sollte, war seine Antwort: „Für so einen Fisch würde ich auch noch weiter fahren!“ Denn am frühen Morgen war eine Rute mit einem Hinged StiffRig mit einem 20er Neptun LT PopUp abgelaufen. Der Fisch fuhr eine gefühlte Ewigkeit wie ein Bus durch den See, landete aber zu guter Letzt in der Wiegeschlinge. Die Waage bescheinigte mir und dem Schuppermann ein amtliches Gewicht von haargenau 22 kg! Ich war überglücklich.

Ich blieb weiter erfolgreich, die Fischgewichte blieben hoch und die Fänge regelmäßig. Jedoch wurden die Bedingungen immer schlechter. Die Belastungen auf meiner Arbeit wurden immer höher, so dass ich schlussendlich im Juli krank wurde und bis September auch blieb. Nach vielen Überlegungen und Beratungen entschied ich mich, meinen Job zu kündigen und mich auch noch auf beruflicher Ebene zu verändern. Ich machte meine Passion vorerst zum Beruf und arbeite seitdem in einem Angelgeschäft in Minden.

Die Experimente gingen weiter. Ich war nie ein großer Freund von Pop Up´s gewesen, kam aufgrund von Schlamm an einem neuen Gewässer jedoch nicht mehr um diesen herum. So machte ich meine ersten Versuche mit Chod Rig´s. Ich verbrachte eine Blanknacht nach der anderen und kam wieder zum Klassiker D-Rig zurück. Nun kamen Glück, Intuition und die richtige Technik zusammen. Ich hatte grade an meinem Futterplatz aufgebaut und schon den ersten Satzi am Band, als ein Allrounder direkt in den Büschen, 10m von meinem Futterplatz entfernt aufbaute. Da er nicht weichen wollte, entschied ich mich nochmal abzubauen und an einen anderen Platz auszuweichen. Auf 180 baute ich wieder auf. Lotete und fing an zu füttern. Kurz. In der ersten Nacht passierte gar nichts… Ich begann abzubauen, da ich am Abend auf einem Geburtstag eingeladen war. Kaum war ich fertig, bekam ich einen Anruf. Geburtstag abgesagt!

Ich baute wieder auf. Vorher hatte ich jedoch alles, was noch da war, gefüttert um am kommenden Wochenende wieder hier zu fischen. Dies waren ca. 10kg Spod-Mix und 3kg Boilies. Ich war zwar der festen Überzeugung, dass dies zum direkten Fischen zu viel Futter war, hatte es aber auch noch nie probiert.
Morgens wurde ich von einem anderen Allrounder, welcher rund 20m neben mir aufgebaut hatte, etwas krumm angeschaut, als ich in meinen Waatstiefeln am Ufer auf und ab marschierte. Dabei murmelte ich „Nein. Kann nicht sein! Das gibt’s doch nicht.“ Ich hatte einen Two Tone mit 21,2kg gefangen und war völlig perplex. Als dann gegenüber ein anderer Allrounder seine Montagen in Unterhose, auf einem Kiesausläufer ausbrachte, konnte der Tag an Skurrilität nicht mehr zulegen.

Nachdem 2012 nach einem verstauchten Knöchel ein jähes Ende nahm, begann 2013 recht chaotisch.
Noch in Eis und Schnee verliefen die ersten Sessions mehr als traurig. Ich war jedoch nicht der Einzige. Auch im Laden bekam ich keinerlei Fangberichte. Doch dann kam zumindest schon mal der erste Anruf, dass ich kommen sollte, um Fotos zu machen. Bölle hatte einen Schuppi mit 22,2kg gefangen. Bei mir bleib es leider weiter ruhig. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich wieder reichlich eingefahren fischte. Nicht, dass die Rigs nicht grundständig funktioniert hätten, aber allem Anschein nach benutzte ich diese Methode hier schon zu lange. Ich denke zumindest, dass die Fische sich daran gewöhnt hatten.

Einen Monat später durfte ich einen anderen Freund fotografieren. Er hatte den ehemals größten Spiegler in unserem Hausgewässer gefangen. Dieser hatte allerding deutlich an Gewicht verloren und brachte noch 23,0 kg auf die Waage. Ein Blowback Rig hatte ich hier noch nicht gefischt. Also schnell neu gebunden, einen D-Rig Hook und Fast Down Vorfach wählte ich. Schmierte das komplette Vorfach mit Tungsten Putty ein. Außerdem fütterte ich wieder größere Mengen (ca. 10kg jeden zweiten Tag). Und schon war der Bann gebrochen. Ich bekam so viele Runs in manchen Nächten, dass ich um Schlaf zu bekommen, die Ruten einholen musste. Dabei bildete ein Schuppermann mit 23,2kg das Highlight. Aktuell stehen die Zeichen wieder auf Veränderung. Ich arbeite nun mit reduzierter Stelle, schule noch einmal um und habe mir vorgenommen, den Winter weiter zu fischen. Um ein schlecht erreichbares Gewässer im nächsten Jahr befischen zu können, bin ich jetzt dabei, meine Ausrüstung so umzustellen, dass alles problemlos auf meinen Gigant Truck passt. Was sich am Ende der Leine, oder am Futter verändern wird, weiß ich noch nicht, aber ich gehe davon aus, dass es so kommen wird.

Was ich euch schon sagen kann ist, dass ich viel mit Videos experimentiere. Nix mit Emotionen am Wasser, sondern schlichte Infos über meine Angelei, B.Richi Tackle und vielleicht den ein oder anderen Spaß. Mal schauen, was ich euch im nächsten Jahr so anbieten kann.

 

In diesem Sinne: Bleibt beweglich!

Euer Kai Jürgens